Grand Case und Isle Forchout

Grand Case und Isle Forchout

Michi
Wir ankerten auf der französischen Seite in Grand Case. Das war ein bisschen illegal, da wir ja in Frankreich waren. Theoretisch hätten wir im niederländischen Teil aus- und im französischen Teil einklarieren, also den Grenzübertritt dokumentieren sollen. Wir haben einfach unser AIS ausgeschaltet, damit uns die Behörden nicht identifizieren können. So richtig interessiert das hier eh keinen. Manchmal ist der „carrebean way of life“ auch sehr hilfreich.
Wir fuhren alle zusammen mit dem Dinghi an Land, was mit dem 15 PS-Motor richtig Spaß machte. Wehmütig dachten wir an unser 5 PS Dinghi-Motörchen. Netterweise hatten Simon und Rachel ihr „altes“ Dinghi an Bord von Aton in Cariacou gebracht und uns überlassen. Es hat einen festen Boden und ist somit auch für größere Motoren geeignet. Also ist der Anfang des Endes der stets tropfnass endenden Fahrten mit unserem Dinghi gemacht. Ein großes Dankeschön an Simon und Rachel.
In Grand Case gibt es einen geschäftigen kleinen Ort, teilweise mit sehr schönen Häusern im Kolonial-Stil. Leider stehen zwischendrin auch häufig vom Hurrikan Irma zerstörte Häuser. Auch der Kirche fehlt das Dach immer noch teilweise. Es tut einem in der Seele weh, sich vorzustellen, wie die Leute von einem Moment auf den anderen einfach alles verlieren. Wie glücklich können wir uns in Europa schätzen, nie von Erdbeben oder Hurrikans bedroht zu werden. Plus natürlich, dass die Menschen hier keine Versicherungen haben, oder großartige Entschädigungen erhalten. Das gilt vor allem auch für den wegen Corona brachliegenden Tourismus. Die Hotels und Restaurants stehen leer und so viele Menschen leben davon. Keine Kurzarbeit, Corona- oder Arbeitslosen-Hilfe. Das sollten mal diejenigen sehen, die sich pausenlos über alles in Deutschland beschweren.

Wir bummelten ein bisschen herum und kauften in einer entzückenden Bäckerei ein, wo eine sehr nette Verkäuferin uns allerlei Leckereien ans Herz legte. Außerdem probierten wir aufgrund Simon`s Empfehlung gegrillte Schweine-Rippchen. Alles war sehr lecker und wir genossen es extra, denn sowas Feines werden wir nun längere Zeit nicht bekommen. Obwohl man sagen muss, dass Reni uns auf der Princess ausgezeichnet bekocht. Sie achtet immer darauf, dass wir zum Frühstück Müsli mit frischen Früchten haben (Mangos und Ananas sind natürlich der Traum hier) und verwöhnt uns mit leckeren Gerichten zum Dinner. Manchmal kochen Franz oder ich und alle waren bisher immer sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Franz hat auch schon ein Brot gebacken und ich habe die Joghurt-Produktion aufgenommen. Das erste Mal ging leider schief, aber vielleicht war Rachels Milchpulver einfach zu alt. Lustig war auch unsere Spätzle-Aktion, als wir noch im Appartement wohnten. Da wir keinen Hobel hatten, schabte ich den Teig und Reni und ich arbeiteten perfekt im Team zusammen. So hatten wir mit einmal kochen nun schon zweimal Kässpätzle, und immer noch ist ein Rest übrig, den wir eingefroren haben. Auch mein bewährter Bananen-Joghurt-Kuchen kam gut an und das mitgebrachte Geräucherte (eine Produktion von Franz` Vater) ist sowieso der Hit. Simon und Rachel mögen aber auch typisch englisches Essen wie süße Bohnen auf Toast (uaahhh), oder Marmaid, eine Art salzige Maggi-Paste (sehr gewöhnungsbedürftig für unsere Gaumen). Aber da halten wir uns eher zurück.

Am nächsten Tag probierten wir aus, mit drei Segeln zu segeln (dabei wird außer der großen Genua noch ein kleineres Vorsegel an einem sogenannten Babystag angeschlagen). Das war sehr unkompliziert. Außerdem hatten wir schon am Ankerplatz ohne Wind und Wellen das Handling für den Spinnakerbaum geübt. Dieser ist 6 m lang und man muss insgesamt 4 Leinen daran befestigen. Dazu waren mindestens 3 Personen nötig. Auf See war das dann schon nicht mehr so einfach, da man längere Zeit auf dem in den Wellen schaukelnden Vorschiff rumturnen muss, während man einen Handgriff nach dem anderen tut. Aber wir bekamen es nach mehrmaligem Nachjustieren letztendlich ganz gut hin. Reni als Segel-Anfängerin beobachtete alles, ließ sich die Manöver erklären und begann nach und nach die Zusammenhänge zu verstehen. Auch für Franz und speziell für mich ging es darum, Routine in die einzelnen Arbeitsschritte zu bekommen. Dabei war es auch eine große Herausforderung, die englischen Segel-Begriffe zu verstehen. Es kam öfters vor, dass Simon irgendein Kommando gab und wir keine Ahnung hatten, was er meint. Meistens musste dann alles schnell gehen und wir konnten erst im Nachhinein fragen, was er damit gemeint hatte. Aber so nach und nach wird es schon besser werden. Ein großer Pluspunkt war, dass offensichtlich keiner von uns schnell seekrank wurde. Franz sowieso nicht, ich bisher noch nie wirklich und auch Reni hielt sich super. Auch auf See machte es ihr gar nichts aus, unter Deck zu gehen und z.B. einen Kaffee oder Tee für uns zu kochen. Super.

Wir übernachteten an einer Boje auf der Isle de Forchout, die zu St. Barth gehört. Am Morgen gingen Reni und ich schnorcheln und sie sah zum ersten Mal einen (kleinen Riff-) Hai. Rachel hatte auch eine Schildkröte gesehen und direkt um unser Schiff herum schwammen viele bunte Riff-Fische. Wie schön. Am nächsten Abend, nach einem schönen Segeltag, wollten wir wieder in der Grand Case ankern. Kaum war der Anker unten, checkte Simon seine Mails und bekam die Nachricht, dass der Autopilot schon in Sint Maarten war. Wow, dann würden wir ihn vielleicht morgen schon in die Marina geliefert bekommen! Also beschlossen wir, den Anker nochmal aufzuholen und in der Simpson Bay zu übernachten. Von dort gelangte man durch eine Drehbrücke in den abgeschlossenen Teil der Bucht, wo unsere Marina war. Die Brücke machte zu festen Zeiten auf und wir wollten den 9.30 Uhr Termin nehmen, um den ganzen nächsten Tag in der Marina für unsere Vorbereitungen zu nutzen.


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