Tobago Keys 1

Tobago Keys 1

Nächste Station waren die Tobago Keys, die von Union Island nur einen Steinwurf entfernt liegen. Zusammen mit der LIVE YOUR DREAM der Kanadier James und Tina fuhren wir durch die enge, südliche Riff-Durchfahrt des berühmten „horse-shoe reef“, also Hufeisen-Riff. Es handelt sich hier um ein großes, hufeisenförmiges Riff, das fünf kleinere, unbewohnte Inseln und eine größere (Mayreau) vor den Atlantik-Wellen beschützt. Die seichten Sandbänke erzeugen hier ein derart intensives Türkis der Wasserfarbe, dass man glaubt, mitten durch ein Kalenderbild zu fahren. Die Inseln sind hügelig und  mit wunderschönen Sandstränden gesäumt.

Die erste Nacht verbrachten wir auf der Lee-Seite der beiden größten Inseln in Gesellschaft mehrerer riesiger Super-Yachten. Unter anderem war hier die „FLYING FOX“ vor Anker, eine riesige Motor-Yacht, die in der Woche 3,5 Mio !!!! Dollar Charter kostet. Da wurden die Gäste dann mit dem Hubschrauber über die Tobagos geflogen, um sich das Schauspiel bequem von oben anzusehen. Auch die „M 5“, die größte Einmast-Segel-Yacht der Welt (Masthöhe 91,5 m !! mit einem Gewicht von 43 Tonnen) war hier, um den Gästen das Highlight der Karibik zu präsentieren.

Diese wurden natürlich nach Strich und Faden verwöhnt. Da gab es nicht einfach einen Landgang, so wie wir das machten. Nein, vorher kam der Tender (das, was bei uns das Dinghi ist, hier aber natürlich alleine schon ein Vermögen wert) und es wurden Sessel und Stühle und Tische und Getränke und Snacks und Wasserspielzeug etc. ausgeladen. Das wurde aufgebaut und dann musste noch entsprechend viel Personal zur Verfügung stehen, um die feinen Leute zu bedienen.

Einmal wurde ein kleinerer Strand annektiert, um hier für 4 Personen (2 Erwachsene, 2 Kinder) ein Barbeque (also Grill-Fest) zu inszenieren. 6 Leute bauten etwa 2 Stunden lang auf, heizten den Grill an und bereiteten alles vor. Als die Herrschaften kamen, war alles bereit. Uns regte diese Dekadenz echt auf und wehmütig dachten wir an unseren letzten Besuch hier, als noch keine einzige Superyacht ankerte.

Am nächsten Tag verholten wir uns in die Durchfahrt der beiden Inseln, weil uns der Seegang außerhalb zu heftig war. Schon beim Reinfahren sah ich eine Schildkröte, die genau neben der von uns anvisierten Boje rumpaddelte. Sie ließ sich von unserem Manöver auch nicht stören und tauchte erst nach einer Weile wieder ab. Ich ging gleich zum Schwimmen, denn hier konnte ich zwischen Insel und Booten ungestört auf und ab schwimmen. Die Schildkröte war genau unter unserem Schiff und ich beobachtete sie eine ganze Zeit lang. Dann kam ein schöner Rochen und ich schwamm mit ihm um die Wette (ich war genauso schnell wie er) und beobachtete seine eleganten Flug-Bewegungen, mit denen er durchs Wasser glitt. Auch direkt am Strand konnten wir sowohl Schildkröten, als auch Rochen beobachten.

Wir gingen natürlich auch schnorcheln am Riff, aber da waren wir etwas enttäuscht. Letztes Mal sahen wir dutzende von Riff-Fisch-Schulen (also Schwärmen) und wähnten uns mitten in einem Aquarium. Dieses Mal nur eine einzige Schule und sonst nur einzelne Fische. Ich hoffe, das ist kein schlechtes Zeichen, sondern war vielleicht nur die falsche Zeit am falschen Ort. Aber es war trotzdem schön.

Am beeindruckendsten war es jedoch, die herrlichen Wasserfarben und die wunderschönen Inseln von der Spitze des höchsten Hügels aus zu betrachten. Die Farben waren so irreal intensiv und man sah das Riff in seiner ganzen Länge.



Nach mehreren Tagen wollten wir nach einem Zwischenstopp auf Petit Tabac nach Mayreau hinübersegeln. Wir machten gerade unsere Fock am Vorschiff klar, als ein großer Katamaran mit Karacho die Boje vor uns anfuhr. Es waren viele Junge Leute darauf und man sah gleich, dass es ein Charter-Schiff war. Ein Einheimischer in seinem Boot war schon an der Boje, um zu helfen, die Leine dort einzufädeln. Der Kat verpasste die Boje aber und begann, auf uns zu zu treiben. Wir riefen, aber der Kapitän reagierte nicht. Erst, als er uns schon fast erreicht hatte, realisierte er dies und gab nun voll Gas, um seitlich abzudrehen. Falsche Entscheidung. Ein Kat kann „auf dem Teller drehen“, wenn er die Maschine des einen Rumpfes vorwärts und die Maschine des anderen Rumpfes rückwärts laufen lässt. Aber (so wie wir früher halt auch waren) die Charter-Kapitäne machen das eine Woche im Jahr und haben einfach keine Erfahrung. Also blieb uns nichts übrig, als zu beobachten, wie dieses riesige Boot seitlich zu flüchten versuchte, aber trotzdem immer näher kam. Schon machte Aton einen Sprung zur Seite und wir mussten uns auf dem Vorschiff festhalten. Der Kat hatte die Leine unserer Boje mit seinem Ruder mitgenommen. Glücklicherweise hielt die Leine, sonst wären wir sofort auf unseren Hintermann aufgelaufen. Und dann krachte es auch schon.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.