Bequia, St. Vincent und St. Lucia

Bequia, St. Vincent und St. Lucia

Bequia

In der großen Admiralty Bay auf Bequia ankern viele Fahrtenschiffe. Ein großer Teil davon hat mit der ARC, der Atlantik Ralley for Cruisers, eine Company , die jedes Jahr die Atlantik-Überquerung von den Kanaren in die Karibik organisiert durchführt, nach der Atlantik-Überquerung hier Halt gemacht. Man muss sich das so vorstellen, dass man dem ARC die Teilnahme der Ralley bezahlt, dafür wird einem alles Mögliche vorgeschrieben. Das Schiff wird gecheckt, ob alle vorgeschriebenen Voraussetzungen an Sicherheits- und Schiffs-Zubehör eingehalten wurden, und letzten Endes muss man am festgesetzten Datum mit mehreren hundert anderen Schiffen lossegeln – egal, ob das Wetter passt, oder nicht. Dafür wird man täglich mit seiner jeweiligen Position auf dem Atlantik registriert, und kann so nicht „verloren gehen“.

Ein geschäftiges Dorf flankiert die Bucht, in dem alles auf die Segler abgestimmt ist. Es gibt Internet-Cafes, Bars, Restaurants, Supermärkte, einen Gemüse-Markt, Segelmacher, und alles, was das Seglerherz so begehrt. Zwischen den Booten fahren Eis-, Wasser- und Laundry-Boote herum, die ihren Service anbieten. Trotz dieser Geschäftigkeit hat die Bucht mit ihren karibisch-bunten Häusern und Geschäften jedoch einen ursprünglichen Charakter, und ist irgendwie ein chilliger und gemütlicher Ort.

Als Wendy und John mit der Headway, sowie Raquel und Simon mit der Princess Arguella ankommen, machen wir eine schöne Wanderung zur anderen Seite der Insel. Da hier viele Kokospalmen stehen, sammeln wir „Fallobst“ ein. Die Nüsse öffnen wir später an Bord (Franz macht das mit einem Hackbeil, was eine ziemliche Sauerei hinterlässt), raspeln das ausgeschabte Kokosfleisch und trocknen die Raspeln in der Pfanne, und danach im Ofen. Das schmeckt lecker zum Müsli. Auf der Atlantikseite Bequias besuchen wir eine Schildkröten-Aufzuchtstation, die sich um die sehr seltenen Hawksbill-Schildkröten kümmern. Der Gründer, Brother King, erzählt uns, dass er vor 24 Jahren angefangen hat, die Schildkröten-Babys, die an diesem Strand aus ihren Eiern schlüpfen, einzusammeln, und die Schildkröten aufzuziehen, um sie im Alter von 5 Monaten ins Meer zu entlassen. So hofft er, dass mehr Schildkröten durchkommen (in der Natur ist es nur eine von 3000 !!), und die Rasse nicht ausstirbt. Die Schildkröten werden erst mit 25 Jahren geschlechtsreif und kommen dann wiederum hierher, um selbst Eier zu legen. Das heißt, dass er nächstes Jahr hoffentlich seine ersten „eigenen“ Schildkröten wieder am Strand bei der Eiablage begrüßen kann. Da er sie alle markiert, kann er sie auch sehr genau identifizieren. Wir drücken die Daumen, dass es ihm gelungen ist, diese faszinierenden und ruheausströmenden Tiere mit seinem Einsatz zu retten.
Auch einen Fischer, der die weitverbreitete Conch, also die Seeschnecken auslöst, sehen wir eine zeitlang zu. Die wunderschönen Schalen werden, wie überall, einfach achtlos auf einen Haufen geschmissen.

Abends lösen wir endlich unser Versprechen ein, John und Wendy in der Kunst des Spätzle schabens einzuweisen. Sie waren so begeistert, als sie bei uns Spätzle bekommen haben, dass sie es unbedingt lernen wollten. Da unser Spätzle-Hobel sehr schnell total verrostet war, schaben wir nun. Die beiden hatten sichtlich Spaß dabei und es hat ausgezeichnet geschmeckt.

St. Vincent

Wir fahren mit der Fähre nach St. Vincent, um dort, in der Hauptstadt Kingstown, nach einem Vergaser für unseren Dinghi-Motor zu suchen. Wir finden auch einen Händler, aber der Vergaser würde uns soviel kosten, wie wir für den ganzen Motor in USA gezahlt haben. Nein, danke.

Da wir eh Wasser machen müssen (was wir wegen der Schwebstoffe in der Bucht nur im offenen Wasser machen), beschließen wir, für ein oder zwei Tage nach St.Vincent zu segeln. Nach einem schönen Segeltag laufen wir in der Walilabou-Bucht ein, wo wir sogleich von mehreren Boat-Boys (das sind Einheimische, die Ihre Dienste in kleinen Booten anbieten) belagert werden, die uns beim Ausbringen der Landleine helfen wollen. Als sie die Landleine festgemacht haben, kommen immer noch mehr, die unsere Aton belagern, und mit ihren Holzbooten an unserem frisch lackierten Schiff entlangschrammen. „Was habt ihr denn in diesen Kanistern?“, fragen sie, und wir fühlen uns irgendwie gar nicht wohl mit dieser Belagerung. Derjenige, der die Landleine festgemacht hat, ist mit dem Trinkgeld unzufrieden und droht uns „Wenn Du nicht genug bezahlst – wir sind diejenigen, die auf Dein Schiff aufpassen.“. Wir verscheuchen sie, und beschließen, unsere Aton auf keinen Fall alleine zu lassen (eigentlich wollten wir morgen mit dem Bus St. Vincent erkunden). Das ist uns jetzt irgendwie nicht ganz geheuer. Am nächsten Morgen sehen wir uns noch kurz die Filmkulissen vom Set „Fluch der Karibik“ an, die in der Bucht mit einem kleinen Museum zu besichtigen sind, und segeln dann wieder zurück nach Bequia.

St. Lucia

Vorbei an den berühmten Pitons (zwei spitze Berge an der Südküste) geht es nach St. Lucia.

Direkt neben der großen Rodney Bay, wo die meisten Schiffe ankern, weil es dort in der Stadt Geschäfte und Handwerker gibt, finden wir die winzige bois d`orange – Bucht. Sie ist flankiert von hohen, mit Regenwald bewachsenen Bergen, hat einen sehr schönen, palmengesäumten Sandstrand,  und ist absolut ruhig. Wir sind ganz alleine hier, und man fühlt sich wie im Paradies. Zum Einklarieren fahren wir mit dem Dinghi um die Ecke in die Rodney Bay. Tags darauf müssen wir allerdings unsere Traumbucht schon wieder verlassen und in die Rodney Bay Marina gehen, da wir hier unsere nächsten Gäste erwarten. Zusammen mit ihnen geht es wieder zurück in die bois dòrange, wo wir abends am Strand gemütlich am Lagerfeuer grillen.

In der Marigot-Bay, die von den meisten Charter-Booten angelaufen wird, verbringen wir mit vielen anderen Yachten einige Tage. Wir sehen in einem Lokal Bilder, wie es hier früher ausgesehen hat. Die tiefe Bucht war bestimmt ein typisches Piraten-Versteck, und mit ihrem kleinen, palmen-bewachsenem Sandstrand und den umliegenden Bergen sehr idyllisch. Heute gibt es eine Marina und ein großes Hotel, sowie viele Restaurants und Geschäfte hier.  Mit einem Mini-Bus fahren wir ein Stück über die Insel und sind sehr angetan, von der bergigen und tiefgrünen Insel. Da wir ganz hinten in der abgeschlossenen Bucht liegen, ist uns die dort stehende Hitze und der „Duft“ der angrenzenden Mangroven bald schon unangenehm, und es zieht uns weiter nach Martinique. Renate gefällt es ausgesprochen gut auf ATON, und sie genießt den Segeltag sehr.


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