15. – 19.02.2019 Schnorcheln im Aquarium

15. – 19.02.2019 Schnorcheln im Aquarium

Michi

Mir war ja von vorneherein klar, wenn Lothar kommt, der viele Jahre als Bordtechniker auf Superjachten gearbeitet hat, muss ich meinen Kapitän nicht nur teilen, sondern quasi abgeben. Die beiden fachsimpeln stundenlang, konstruieren, verbessern und refitten unser Schiff, dass es eine wahre Pracht ist. 70 % aller Gespräche sind technischer Natur, bei 20 % geht`s um`s Fischen, und vielleicht 10 % bleibt für den Rest. Aber gut, 10 Tage kann man das schon mal aushalten. Außerdem schwätzt Lothi nicht nur, sondern packt auch an, und so ist der Ablauf unseres Bades, sowie die Toiletten-Spül-Pumpe nach einigen Tagen komplett überholt und repariert. Er gibt Franz viele wertvolle Tipps, und wir sind wirklich froh, über unseren Technik-Supporter. Danke Lothi!

Nachdem die beiden also auch diesen Vormittag über der Maschine gehängt sind, und den Einbau unseres neuen watermakers diskutiert haben, lege ich gegen Mittag mein Veto ein, und wir gehen schnorcheln. Direkt neben unserer Boje ist ein Wrack, das von Korallen und Fischen bewohnt wird. Wir erkunden ein wunderschönes Riff, obwohl wir hier ziemlich gegen den Strom paddeln müssen. Das Wasser ist so klar, dass man das Gefühl hat, mitten in einem Aquarium zu schwimmen. Es gibt bunte Korallen und Fische in allen Farben und Formen, und auch zwei Schildkröten werden gesichtet. Das Dingi befestige ich um meinen Körper, und ziehe es mit; so bekomme ich noch eine extra Portion Bewegung. Auf dem Rückweg im Dingi sehen wir Bulli, den Hai, wieder. Er zieht seine Kreise zwischen den Schiffen und ist offensichtlich an die Schnorchler gewöhnt.

Wir bleiben noch einmal über Nacht hier, und genießen die geschützte Bucht und die Ruhe im Boot. Da es hier an Land einige Tracks zu erkunden gibt, und die Männer keine Lust zu laufen haben, mache ich mich alleine auf den Weg. Es geht zuerst durch Mangroven auf den Boo Boo Hill, in dessen Nähe blowholes, also Höhlen, die die Brandung unterirdisch geschaffen haben, zu erkunden sind. Danach geht es an der Atlantikseite der Insel an der Küste entlang, wo man immer wieder schöne Ausblicke genießen kann. Durch einen schönen, schattigen Palmenhain geht ein schmaler Pfad, der teilweise sehr zugewachsen ist, aber ab und zu weisen Schilder den Weg. Ich laufe immer weiter, bis ich an einem traumhaften, schneeweißen Sandstrand wieder ans Wasser komme. Leider geht es hier nicht mehr weiter, und ich muss wieder ein gutes Stück zurück. Nun geht es über spitze Felsen, die an Lava erinnern, und zwischen großen, tiefen Löchern, aus denen teilweise Pflanzen wachsen, über einen kleinen Hügel. Auf einmal huscht irgendetwas pelziges in ein kleines Loch. Als ich reinschaue, sehe ich nur Dunkelheit. Also weiter. Um ein paar Ecken, und schon wieder huscht etwas über den Weg. Dieses Mal bleibt es unter einem Busch sitzen, und ich kann das Tierchen betrachten. Es muss irgendein Nagetier sein, und sieht aus, wie ein großes Meerschweinchen mit braunem Fell. Wieder zurück bekomme ich erst mal von Franz geschimpft, dass ich mein Funkgerät ausgeschalten hatte, und er  mich nicht erreichen konnte. Ich war lange unterwegs, und die zwei haben sich Sorgen gemacht. Daran hab ich wieder mal nicht gedacht, ich wollte halt den Akku-Strom des Funkgeräts sparen. So hab ich meine Denke schon an das Jachtie-Leben gewöhnt.

Franz und Lothar wurden zwischenzeitlich an Bord Zeugen, wie ein einlaufendes Schiff im engen Fahrwasser abgekommen, und im Seichten aufgelaufen ist. Nur mithilfe von zwei Motorbooten der Nationalpark-Verwaltung, mit viel Geschrei, und eine Stunde später, kam er wieder frei. Das ist das typische Hafenkino, das es überall gibt. Irgendeiner meint immer, er kann besonders lässig, schnell, oder schlau sein.

Am nächsten Tag segeln wir im Atlantik wieder ein Stück weiter bis Cambridge Cay. Franz und ich erkunden ein Riff, und wir genießen wieder einmal einen wunderschönen Sonnenuntergang. Kaum ist die Sonne verschwunden, blasen manche anderen Jachties auf Muscheln ihren Tribut. Das klingt wie eine dumpfe Trompete, hat aber nur wenige Töne. Trotzdem finden wir, dies ist ein schöner Brauch, und hören es immer wieder gerne. Am nächsten Tag gehen wir wieder zu dritt schnorcheln. Wir sind gerade auf dem Weg zu einem weiter entfernten Felsen, als wir zwei größere Rochen im kristallklaren Wasser über den Sand schweben sehen. „Halt, ich spring gleich rein.“,  sag ich, Taucherbrille auf, und schon bin ich über Bord gehüpft. „Pass auf, und nähere Dich nie von hinten, der peitscht mit seinem Schwanz!“, ruft mir Lothar noch hinterher. Der Rochen liegt auf dem Sand, und hat noch zwei Schiffshalter-Fische auf seinem Rücken dabei. Diese saugen sich an ihm fest, und leben von Abfällen, die der Rochen fallen lässt. Seine Augen stehen oben, damit er rundum gut sehen kann. Er lässt sich von mir nicht besonders stören, und „segelt“ ganz gemächlich weiter. Ein tolles Erlebnis. Ich klettere wieder ins Dingi, und weiter geht’s. Am Felsen angekommen, ist der Sprit alle, und wir füllen nach. Dabei bemerken wir, dass der Nachfüll-Sprit nicht besonders viel ist. Hoffentlich kommen wir wieder bis zum Schiff (auch diesmal sind die Paddel dabei!). Irgendwann werden wir`s schon noch lernen. Wir machen am Felsen unser Dingi an einer Boje fest, und springen ins Wasser. Schon sind wir mittendrin in einem Schwarm von Zebra-Fischen und einem schönen Riff, in dem viele Fische wohnen. Wir schnorcheln zu einer Höhle, in die wir dank Ebbe rein können. An der Decke ist ein Loch, durch das Sonnenlicht fällt. Es gibt Stalagniten und -titen, und es herrscht eine ganz besondere Akustik. Da der Dingi-Gott uns diesmal gnädig ist, schaffen wir es wieder bis zum Schiff zurück. Abends backe ich noch Kuchen, und wir lassen uns ein Risotto schmecken.

Am nächsten Tag segeln wir mit schönem Wind im Atlantik aus den Grenzen des Exuma-Nationalparks raus, und schleppen einen Köder hinterher (im Nationalpark ist fischen strengstens verboten). Leider beißt keiner an, obwohl viele fliegende Fische von Räubern zeugen, die Hunger haben. Wir bleiben in Thomas Cay über Nacht, und legen nachts eine Lobster-Falle aus, aber auch die ist am nächsten Tag leer. So gibt es wieder keinen Fisch, und ich backe mein letztes Sauerteigbrot (Brotback-Mischung vom deutschen Aldi). Gottseidank hat Lothi von zuhause selbst Geräuchertes mitgebracht, das als Fisch-Ersatz herhalten muss. Vielen Dank an das Räucher-Team, wir genießen es sehr!

 


2 Replies to “15. – 19.02.2019 Schnorcheln im Aquarium”

  1. Hallo ihr zwei/drei. Das klingt ja alles nur einfach toll! Schön dass Lothar euch so gut unterstützen kann, er ist bestimmt schon wieder auf dem Heimweg. Ich kann mir das herrliche Wasser gut vorstellen, ein traumhaftes Erlebnis in mitten der vielen bunten Fische zu Schnorcheln, irgendwie doch anders als im Aquarium oder Sea life …ich wünsche euch noch viele schöne Tage, ruhige Nächte und immer Benzin und Paddel dabei!? LG Patricia

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