08. – 14.02.2019 Besuch ist da

08. – 14.02.2019 Besuch ist da

Franz

Nach längerer Abstinenz, was die Einträge des Reiseblogs betrifft, will ich heute ein paar Reisetage zusammenfassen. Grund dafür war der Exuma Land- und Seenationalpark, den wir auf dem Wege nach Staniel Cay durchreist und besichtigt haben. Unglücklicherweise hatten wir darin mangels Sendemasten kein Internet. Somit versuche ich, unsere Erlebnisse der vergangenen Tage zusammen zu fassen.

Leaf Cay – Es ist Freitag früh. Nach einem grandiosen Vortag auf Saddle Cay, habe ich nach dem Frühstück die Drohne ausgepackt, um das Morgenlicht zu nutzen und ein paar letzte Aufnahmen von diesem traumhaften Ort zu machen. Mit dem Dinghi fuhr ich hundert Meter von Aton weg an den Strand und ließ die Drohne steigen. Ein kurzer Rundflug und ich hatte, was ich wollte. Anschließend packten wir zusammen und machten Aton auslaufbereit. Nun stand die ausgesprochen enge Durchfahrt zwischen den Felsen in den Atlantik bevor. Wir hatten abgewartet, bis der Ebbstrom einsetzte. Nun sog uns die Strömung quasi durch das Nadelöhr. Danach ging es hinaus, in die aufgewühlte See, Richtung Leaf Cay. Die 11 Seemeilen absolvierten wir in zweieinhalb Stunden. Beim Einlaufen in die Bucht sahen wir eine ganze Reihe von Schiffen, welche bereits vor Anker lagen. Wir entschieden uns für eine Lücke zwischen zwei amerikanischen Schiffen, gleicher Bauart, eine Art umgebauter Fischerboote mit Auslegern zum Fischen. Im Laufe des Tages füllte sich die Bucht mehr und mehr. Auf dem gegenüberliegenden Strand sahen wir dann den Grund für diesen Auflauf, Iguanas, eine große Leguanart und gleichzeitig die größten Landtiere der Bahamas. Wir warteten, bis die Ausflugsboote den Strand verlassen hatten und ruderten mit unserem Schlauchboot hinüber. Mit dem Fotoapparat bewaffnet streiften wir den Strand entlang und machten allerlei Bilder dieser zutraulichen Tiere. Während Michi dabei war, sich einem der größeren Exemplare zu nähern, flog mir plötzlich ein bunter Vogel von der Größe eines Sperlings auf die Hand. Ich rief Michi zu, sie solle doch kurz ein Bild von meinem Gast machen. Just in diesem Moment landete ein zweiter Vogel der gleichen Art ebenfalls auf meiner Hand. Nach dem ich kein Futter dabei hatte, verließen sie uns nach wenigen Minuten wieder. Nachdem wir den Strand einmal auf- und abgewandert waren, kehrten wir zur Aton zurück.

Shroud Cay – Am Samstag früh setzten wir zeitig das Großsegel, lichteten den Anker und segelten aus der Bucht in Richtung Shroud Cay. Diese Insel wurde uns wegen des einzigartigen Mangrovenwaldes empfohlen. Dreieinhalb Stunden und knapp 18 Seemeilen später hatten wir unser Ziel erreicht. Da wir nun ausreichend Zeit hatten, planten wir, die Mangrovenfahrt mit unserem Schlauchboot gleich nach dem Mittagsessen durchzuführen. Badesachen, Taucher-masken, Fotos und Handys waren schnell gepackt. Während Michi dabei war, die Bugleine des Dinghys zu lösen, startete ich den Motor. Ich zog am Starterseil. Ein ausgesprochen ungesundes Kratzgeräusch entfuhr unserem sonst so zuverlässigen Außenbordmotor. Ein zweiter Versuch hatte dasselbe Ergebnis. Ich erkannte schnell, dass der Freilauf des Startzuges ein Problem aufwies. Also hieß es wieder auspacken, Werkzeug herrichten und Motor zerlegen. Wer schon einmal auf einem schwankenden Boot derartige Sisyphus-Arbeiten gemacht hat, weiß wovon ich spreche. Beim Zerlegen der Starteinrichtung erwies sich eine Spiralfeder als ein ausgesprochen widerspenstiges Objekt. Nichts desto trotz konnte ich nach einer über zweistündigen Reparatur einen funktionsfähigen Motor präsentieren (es ist anscheinend nicht schlecht, wenn man in seinem früheren Leben mal Kfz-Meister war, grins). Bei unserem zweiten Versuch umfuhren wir mit dem Dinghi ein Riff. Dahinter erblickten wir eine Art Flussmündung. Diese fuhren wir langsam landeinwärts. Links und rechts breitete sich das Dickicht aus Mangroven aus. Plötzlich merkte ich, wie der Motor seltsam zu rucken begann. Ein Blick zurück zeigte mir dann schnell den Grund dafür. Eine aufgewühlte Schlammwolke gab mir die Gewissheit, dass Finne und Antriebsschraube bereits im Sand wühlten. Gottseidank gab es hier nur wenig Steine, welche unseren Propeller sicherlich beschädigt hätten. Mit einem Blick auf die Mangroven konnte ich leicht erkennen, dass mittlerweile die Ebbe eingesetzt hatte. Unter diesen Umständen machte eine Weiterfahrt keinen Sinn. Ich sagte Michi, dass wir unser Vorhaben auf den nächsten Tag verschieben müssen. Ihre Frustration war unübersehbar. Wir retteten den Tag, in dem wir eine Sandbank an einem Riff anliefen, um dort zu schnorcheln. Als wir dort ankamen, bemerkte Michi, dass sie ihre Tauchermaske an Bord vergessen hatte. Da ich wusste, wieviel ihr an der Mangrovenfahrt gelegen hatte und sie einen sehr deprimierten Eindruck vermittelte, sagte ich ihr, sie könne meine nehmen. Schlussendlich wurde sie doch noch mit einer Menge an Fischen belohnt, welche sich am Riff aufhielten.

Michi

Da wir am nächsten Tag weiter mussten, um einen vorhergesagten Starkwind gut geschützt abwettern zu können, verschoben wir besagte Mangrovenfahrt auf unbestimmte Zeit. Wir sind ja noch länger hier in der Gegend, hoffentlich klappt es ein anderes Mal. Das nächste Ziel war O`Briens Cay, und auf der Fahrt dorthin staunten wir wieder einmal über all die grün-, blau- und türkisen Wasserfarben. Teilweise sind die einzelnen Farbton-Schichten wie durch einen Strich getrennt. Bei der Einfahrt zur Bucht passierten wir zuerst eine traumhafte Privat-Insel, mit schickem Haus auf dem Hügel, und gepflegtem, palmengesäumten Strand. Beim Blick voraus sahen wir, wie eng sich die Fahrrinne hier in einem „Z“ um Untiefen schlängelt, die wir mittlerweile anhand der Farben schon ausmachen konnten. Aber Franz manövrierte unsere Aton geschickt im vielleicht 5 m breiten Fahrwasser, und wir ankerten im Lee einer niedrigen Insel zwischen zwei anderen Segelyachten. Nachdem wir mit dem Dinghy zur Nachbarinsel gefahren waren, um dort die Ankergebühr für den Nationalpark zu bezahlen, gingen wir ganz in der Nähe unseres Ankerplatzes schnorcheln. Der Schnorchelplatz hieß „Aquarium“, und der Name war Programm. Viele bunte Riff-Fische tummelten sich zwischen wunderschönen Korallen vor einem Felsen. Auch am nächsten Tag, als wir an einer anderen Stelle noch einmal schnorchelten, sahen wir neben den Fischen auch einen kleinen Stachelrochen. Am dritten Tag ging es dann wieder weiter bis Staniel Cay, wo wir Franz` Bruder Lothar an Bord begrüßten, der von Nassau aus dorthin geflogen war. Beim Tanken sahen wir im kristallklaren Wasser wieder einen Stachelrochen.

12. – 14.02.

Heute ist den ganzen Tag gemütliches Segeln bei achterlichem Wind angesagt. Wir fahren wieder nach Norden zurück, um mit Lothar in Shroud Cay den Dinghy-Ausflug nachzuholen. Dieses Mal ist fast nichts los im Mooring-Feld; außer uns nur einige andere Schiffe. Am nächsten Morgen machen sich Lothar und Franz erstmal an die Reparatur des Wasserablaufs an unserem leckenden Wasch-becken. Als gegen Mittag die Flut nahe dem Höchstpunkt war, fuhren wir mit unserem Dinghy in die Mangroven hinein, da wir sonst nicht über die Untiefen gekommen wären. Die bizarren Mangroven-Büsche, das glasklare Wasser, der weiße Sand am Grund, bei dem man jede Welle sehen konnte, die die Strömung formt, und einige Schildkröten, die neben uns herschwimmen, machen die etwa einstündige Fahrt sehr interessant und kurzweilig. Hier wurde übrigens eine berühmte Filmsequenz des Streifens „African Queen“ mit Humphrey Bogard und Kathrin Hepburn gedreht. Der Mangroven-Fluss quert die ganze Insel bis zur Atlantik-Seite. Dort angekommen, sahen wir einen zauberhaft schönen Platz, wo der Fluss zwischen zwei Felsen wieder ins Meer fließt. Wie in einem Aquarell-Bild fließen die Blau- und Türkistöne des Wassers ineinander, umrahmt von schneeweißen Sandstränden. Das Wasser ist so klar und blau, dass man einen regelrechten Blau-Rausch bekommt. Wieder einmal sind wir einfach nur dankbar, dass wir das erleben und sehen dürfen. Das ist so ein Moment, wo wir uns ganz sicher sind, alles richtig gemacht zu haben.

Nach einer sehr stürmischen, und leider auch sehr bewegten Nacht (der Wind und die Wellen kommen aus unterschiedlichen Richtungen, und so stellt sich Aton quer zur Welle und rollt die ganze Nacht hin und her), verlegen wir unseren Ankerplatz am nächsten Tag etwas weiter nach Süden,  um vor dem vorhergesagten Nordwind in der nächsten Nacht geschützt zu sein. Leider passiert wieder genau das gleiche, wir stehen wieder quer zur Welle: rollen und schlingern unserer sonst so trägen Aton, Töpfe klappern im Schapp, Wasser schwappt im Tank,  Geräusche, die man nicht orten kann, nerven, die Kette reißt am Schiff. Lothar und ich können so gut wie gar nicht schlafen. Hauptsache, unser Kapitän schläft selig. Ihm macht das alles einfach gar nichts aus. Erst in den frühen Morgen-stunden kehrt endlich Ruhe ein. Gerädert stehen wir am nächsten Tag auf. Heute geht es weiter nach Warderick Wells, wo sich das Hauptquartier des Nationalparks befindet. Wir funken das Büro dort an, und bekommen eine Mooring-Boje zugewiesen. Lothar und ich fahren mit dem Dingi Richtung Büro, um dort die Mooring-Gebühr zu zahlen. Nach zwei Drittel unseres Weges geht der Motor plötzlich aus: Benzin ist alle, Lothar hat vergessen, aufzutanken. Also wird gepaddelt (ja, wir haben sie dabei!). Leider hat das Büro schon zu, und wir müssen morgen nochmal kommen. Beim zurückpaddeln (diesmal bin ich dran) ruft uns ein Eigner eines Schiffs, das wir in einiger Entfernung passieren, zu, ob er uns helfen kann. Wir gestehen, dass wir keinen Sprit mehr haben. Kurzerhand kommt er mit seinem Dinghy, und schleppt uns ab. Dabei erzählt er, dass er beim Schnorcheln in der Bucht einen 3m großen Rochen gesehen hat. Außerdem bestätigt er, dass aufgrund der Berichte von Freunden, die schon um die ganze Welt gesegelt sind, das Wasser in den Bahamas am allerschönsten sein soll.
Nachdem, was wir hier schon gesehen haben, können wir uns das sehr gut vorstellen. Vielleicht sollten wir einfach hier bleiben? Auch in dieser Bucht kann man jede Einzelheit des Grundes erkennen. Als ich später gerade so ins Wasser schaue, kommt ein ca. 2m großer Bullenhai vorbeigeschwommen. 10 Minuten vorher hatte ich noch beschlossen, eine Runde schwimmen zu gehen, weil es mir beim Kuchen backen so warm geworden ist. Das mach ich jetzt doch lieber nicht mehr.
Am Abend (nach einem spektakulären Sonnenuntergang) leuchten wir mit einem Scheinwerfer ins Wasser, um Fische anzulocken. Plötzlich kommt der Hai schon wieder, und zieht seine Kreise um unser Boot. Ich freu mich schon auf`s Schnorcheln morgen (Lothar sagt, Bulli macht nichts).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.