Viel Arbeit und Entbehrung im Paradies (Teil 2)

Viel Arbeit und Entbehrung im Paradies (Teil 2)

Franz

Die folgenden Wochen die ich hier verbrachte waren geprägt von harter Arbeit tagsüber und relaxten Abenden mit Freunden, die so manche Entbehrung vergessen machte. Täglich einmal hielt ich mit Michi meist zur gleichen Zeit (bei mir in der Karibik war es 13:30 Uhr, bei Michaela in Deutschland war es 19:30Uhr) einen WhatsApp Chat. Manchmal ging ich abends in eines der Strandlokale, die sich pittoresk der Bucht entlang aneinanderreihten. Zwischendurch spielten lokale Musiker Life-Musik. Langsam begann sich bei mir eine gewisse Routine in meinem arbeitsreichen Leben auf dem Marina Gelände einzuschleichen. Die meist dunkelhäutigen, gutgelaunten Angestellten grüßten mich freundlich. Den Einen oder Anderen kannte ich beim Namen und die Mitarbeiter eines nahe gelegenen Bootsausrüstungsgeschäftes machten Späße über meine häufigen Besuche. Die Arbeiten an Aton gestalteten sich als ein permanentes Auf und Ab. Manche meiner „Projekte“ gelangen mir besser als vorher gedacht, was in mir Hochgefühle hervorriefen. Aber meist kam es tags darauf zu einem Tiefschlag, wenn ein ganz anderes, neues Problem zum Vorschein kam.

Beispielsweise hatten wir für unsere Abwesenheit eine Angestellte der Marina damit beauftragt, einmal pro Monat das Schiff zu lüften und dabei nach dem Rechten zu sehen. Die Dame machte ihren Job soweit auch recht zuverlässig. Nach einigen Monaten jedoch hatte sie sich nichtmehr bei uns gemeldet und auf Nachfrage beim Management wurde uns damals gesagt, dass sie gekündigt und weggezogen wäre. Bei meinen Aufräumarbeiten nach meiner Ankunft musste ich aber feststellen, dass sie wohl bei ihrem letzten Lüften unseres Schiffes vergessen hatte, eines der Fenster in unserer Gästekabine zu schließen. Da niemand anderes danach das Schiff prüfte, drang Regenwasser über Monate in unsere Aton (und ich kann Euch sagen, hier in den Tropen regnet es richtig stark). Als Ergebnis davon waren die Holzverkleidungen, die Matratzen sowie die Bettwäsche darin völlig verrottet. Ich meldete den Schaden der Geschäftsleitung der Marina. Steven, einer der beiden Manager meldete sich tags darauf bei mir und besichtigte das Ausmaß des Schadens. Nachdem ich ihm die zurückliegende Kommunikation mit der ehemaligen Angestellten sowie die Zahlungsbelege gezeigt hatte, kümmerte er sich umgehend um die Behebung des Schadens. Nun haben wir neue Matratzen sowie neue Holzverkleidungen.

Anfang November war es dann soweit, dass ich Aton wieder zurück in ihr eigentliches Element bringen konnte. An den Tagen zuvor hatte ich das Antifouling auf dem Rumpf unseres Schiffes aufgebracht. Nun kam ein Unterflur-Hebefahrzeug. Damit wurde Aton angehoben. Die Stützen wurden entfernt und langsam wurde unser Schiff aus ihrer engen Parkbucht zwischen anderen Schiffen herausgefahren.

Dann kam der schwere Kran angefahren. Die Schwerlastbänder wurden angebracht. Langsam hob sich das 24 Tonnen schwere Schiff an und der Kran begann sich langsam mit unserem Schiff über den Einwasserungskanal zu bewegen. Die Festmacherleinen wurden an das wartende Personal übergeben. Quälend langsam senkte sich Aton ins Wasser. Und dann, von einem Moment zum Nächsten schwamm sie, herrlich. Das Sonnenlicht schimmerte an ihrem lackierten Rumpf und zeigten ihre Schönheit. Ich stieg auf mein Schiff über und prüfte als allererstes die Borddurchlässe auf Dichtheit. Danach startete ich die Maschine. Leider lief der Motor unrund. Nach einem kurzen Check entschied ich mich das Schiff im Wasser zu lassen und mich später diesem Problem zu widmen. Nachdem die Leinen übergeworfen waren, legte ich den Vorwärtsgang ein. Langsam glitt ich mit meinem Schiff am Mangrovenwald entlang in die große Bucht hinaus. Während der Fahrt holte ich die ausgebrachten Fender und die Leinen ein und verstaute sie. Danach suchte ich mir einen Ankerplatz in der großen Bucht. Schließlich ließ ich den Anker fallen und prüfte, ob er sich auch richtig eingegraben hatte. Dann endlich stellte ich den Motor ab und setzte mich ins Cockpit, endlich Ruhe!

Der Stress, die Ungewissheit ob ich alle Probleme am Schiff beheben könnte, die nervigen Moskitos (habe ich schon erwähnt, dass es auf allen Karibikinseln ein Dengue-Fieber-Problem gibt) und der Lärm auf dem Marina Gelände, alles war mit einem Mal vergessen. Ich montierte die Badeleiter, schlüpfte aus meinen Klamotten und sprang in das 27°Grad warme Nass; einfach herrlich! Danach ein Badetuch, abtrocknen und im Cockpit sonnen. Das Leben kann so herrlich sein. Ich machte mir ein kühles Bier auf. Anschließend kochte ich mir zuerst mal Spaghetti Alio e Olio.

Am nächsten Morgen begann ich nach dem Frühstück die Bilge zu kontrollieren und siehe da, ich hatte einige Öltropfen darin, nicht gut! Mit einem Spiegel, montiert an einem flexiblen Stab kontrollierte ich den Motor. Ich sah diverse Roststellen an unserer Ölwanne, vermutlich hervorgerufen durch das Salzwasser in der Bilge bei unserer Ankunft vor eineinhalb Jahren und der langen Standzeit. Anschließend baute ich unsere Einspritzpumpe aus und zerlegte diese. Die Analyse ergab, dass einer der Kolben der Reiheneinspritzpumpe festkorrodiert war. Nach einer eintägigen Bedenkzeit entschloss ich mich widerstrebend, zurück zur Marina zu fahren, am Steg anzulegen und dort unseren Motor auszubauen (die korrodierte Ölwanne konnte nur im ausgebauten Zustand erneuert werden). Das hieß, wieder mehrere Wochen Arbeit sowie Wartezeit auf benötigte Ersatzteile. Ein Deutscher, technisch versierter Inhaber eines Workshops namens Jörg, der mir von meinen Freunden empfohlen wurde, gab sich bereit, mir zu helfen und mir seine Werkstatt für die anstehenden Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Dies sind für uns Segler die Momente, wo wir erkennen, wie wertvoll es ist, hilfsbereite Menschen kennen zu lernen. Wir bauten den Motor am folgenden Tag aus. Ein weiterer Bekannter, Walter, ein Einhandsegler aus der Slowakei, schleppte mich anschließend wieder mit seinem Dinghi zurück in die Bucht, wo ich die nächsten Wochen damit verbrachte, auf die Ersatzteile sowie auf meine Liebste zu warten.

Da die Versorgung mit Ersatzteilen in der Karibik generell, und in Covid-Zeiten ganz speziell ein Problem ist, war es schließlich so, dass meine Frau deutlich früher ankam, als die benötigte Ölwanne. So ist es eben, wenn man sich auf das Abenteuer Segeln einlässt.

 


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