Es geht los

Es geht los

Es war beeindruckend zu sehen, wie lang die Strecke war, die das Flugzeug über den Atlantik zurücklegte. Natürlich, wir hatten den Atlantik schon zig mal überflogen, aber dieses Mal sahen wir ihn mit anderen Augen. Diese Strecke sollten wir schon bald mit einem kleinen Segelboot zurücklegen?  Das war irgendwie unvorstellbar. So viel Wasser – und sonst einfach gar nichts. Manchmal bekam ich Angst vor meinem eigenen Mut, 3000 Seemeilen über offenen Ozean zu segeln.

Nach einem sonst angenehmen Flug landeten wir auf der berüchtigt kurzen Landebahn in Sint Maarten. Ohne den Badenden am Strand die Köpfe zu rasieren, in das Hochhaus am Anfang der Bahn zu krachen, oder mit unseren Tragflächen die Autos  am Rand der Landebahn zu fegen, setzten wir auf. Glück gehabt. Beim Aussteigen schlug uns eine feucht-warme Wand entgegen und sofort hatten wir ein bisschen das Gefühl, zurück nach Hause zu kommen. Schade, dass wir unsere Aton nicht sehen werden. Wir vermissen sie. Wir checkten in unser Appartement ein. Es war großzügig geschnitten und man hatte vom riesigen Balkon aus eine schöne Aussicht auf das gegenüber liegende Inlet und die schöne Pool-Anlage, die fast immer menschenleer war. Im geschäftigen Ortskern ließen wir den Abend noch in einer kleinen Bar ausklingen.

Zwar spielte sich hier ohnehin alles draußen und mit Abstand ab, aber die Maskenpflicht nahmen die Leute nicht allzu ernst. Wir hielten unsererseits stets Abstand und beschlossen, uns am nächsten Tag beim hiesigen Impfzentrum nach übrig gebliebenen Impfdosen zu erkundigen.

Am nächsten Tag segelten Simon und Rachel frümorgens aus Grenada los und wir erwarteten sie spätestens am  Sonntag in der Marina Yacht Club Port de Plaisance. Da es mein Geburtstag war, genoss ich es besonders, mit leckerem, exotischen Obst und anderen Köstlichkeiten zum Frühstück in so einer schönen Umgebung von Reni und Franz verwöhnt zu werden. Ich fühlte mich wie in einem Kitschroman, als nach einem Regenschauer auch noch ein wunderschöner Regenbogen entstand.

Wir mieteten  uns ein Auto und kauften für die ersten Tage ein. Dann fuhren wir an einen schönen Strand, der menschenleer war. Die allermeisten Stände, Restaurants und Geschäfte hatten geschlossen und die Einheimischen hatten kein Einkommen. Wir sahen drei Kreuzfahrtschiffe und fragten nach: sie waren leer und bis auf  Weiteres hier schlicht geparkt worden. Wieder einmal wurde uns bewusst, welches Glück wir hatten, in einem reichen Land zu leben und wie undankbar manche Menschen sind, die ständig nur jammerten.

Das Impfzentrum war schwer zu finden; es lag direkt neben dem Hospital, das jedoch überhaupt nicht ausgeschildert war. Wir hatten großes Glück, denn als es am Nachmittag geschlossen wurde, waren tatsächlich zwei Dosen übrig. Das Impfteam war supernett. Sie bedauerten nur, dass wir am Tag vorher nicht da waren, denn da wurden vier Dosen vernichtet. Reni und ich bekamen also hier unsere zweite Impfung und Franz am nächsten Tag. Jetzt waren wir wesentlich entspannter, denn mitten auf dem Atlantik möchte natürlich keiner Corona haben.

Abends gingen wir noch in Grand Case schön essen und genossen die Wärme, einen sehr guten Wein, das leckere Essen und einen kitschigen Sonnenuntergang. Langsam, aber sicher konnten wir nun realisieren, dass wir tatsächlich hier sind. Einige Tarpune (sehr beeindruckende, große Fische) schwammen, angelockt vom Licht, direkt vor uns im seichten Wasser herum und einheimische Kinder spielten im weißen Sand. Wir fanden, das hatten wir uns verdient.


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