Ein fataler Fehler

Ein fataler Fehler

Michi
Endlich wieder segeln. Es ist so schön und auch ATON hat merklich ihren Spaß daran. Auf einem schönen Halbwind-Kurs geht es Richtung Süden und ATON gibt alles. Wie ein Pfeil schneidet sie durch die Atlantik-Wellen und beschert uns viele Stunden Segel-Spaß pur. Wir sind uns wieder einmal einig, dass wir ein gutes Schiff haben, und unsere Entscheidung für diese Reise genau die richtige war. Wir segeln zur Loup Garou, einer winzigen Sandinsel, auf der nur einige Palmen stehen, und die derzeit wegen der Eiablage von Schildkröten gesperrt ist.

Der Lockdown in Martinique, wo wir fast 6 Monate verbracht haben, war alles andere als unangenehm. Wir haben die wunderschöne und unter Seglern unberechtigterweise gemiedene Ostseite erkundet und supernette und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Außerdem konnten wir, dank der Tatsache, dass wohl die gesamte Polizei in der von hunderten Schiffen bevölkerten Buchten von Le Marin und Saint Anne beschäftigt war, die Regeln durchzusetzen, immer mal wieder wandern gehen, schwimmen und uns zeitweise mit dem Schiff bewegen. Ich nutzte jede Gelegenheit, um mich irgendwie zu bewegen. Netterweise durfte ich mir von unseren Nachbarn ein Kajak und ein SUP ausleihen und Ralf gab mir sogar einen Kurzkurs auf seinem Surfboard.

In Le Marin mieten wir uns für drei Tage ein Auto und verbringen den ersten Tag in sämtlichen Schiffszubehör-Läden, Yamaha-Dealern und Bauhäusern, die wir finden. Wir bekommen fast alles und unternehmen am zweiten Tag eine schöne Wanderung zusammen mit Akis, einem Griechen und Sao, einer wunderhübschen Afrikanerin aus Bisao Guinnea, die wir schon in Trinidad getroffen haben. Am dritten Tag fahren wir nach Norden und gehen zusammen mit den beiden den atemberaubenden Sklaven-Trail noch einmal. Auf dem Heimweg passieren wir einen kleinen Wasserfall, von dem aus ein Pfad in den Regenwald führt. Neugierig, wie wir sind, erkunden wir diesen und laufen in einem zauberhaften, fast magisch anmutenden Wald bis zu einer Stelle an einem Bach.

Ringsum hängen Lianen, Borrelien, Orchideen und dicke Flechten von den Bäumen, die Farne und Blätter glitzern von den Wassertropfen des Regens, der gerade erst aufgehört hat, und die Steine im Bach schimmern rötlich durch das glasklare, frische Wasser. Und als sich dann für einige Minuten auch noch die Sonne durch die Regenwolken kämpft, und ihr Licht in glitzernden Bahnen durch das dichte Blätterdach leuchtet, kommen wir uns vor wie mitten in einer Szene von Herr der Ringe, oder Avatar.

Nach diesem wunderschönen Erlebnis ist wieder Arbeit angesagt, und wir verbringen die nächsten Tage in den Tiefen der Fächer, Schaps und des Motorraums von ATON.

Wir haben in Benoire von Sebastien einen gebrauchten, aber sehr gut erhaltenen Außenborder für unser Dinghi gekauft. Franz hat nun endgültig die Nase voll, den alten auf unseren Ausflügen immer wieder auf den schaukelnden Wellen auseinander zu nehmen und zu reinigen. Und ich weigere mich ja sowieso schon länger, alleine mit dem Dinghi zu fahren. Der neue Yamaha bekommt einen Service verpasst, und erfreut uns nun jedes Mal mit seinem unaufgeregten Schnurren und dem zuverlässigen Startverhalten.

Wir verlegen uns in die Nachbarbucht Saint Anne, wo wir direkt neben Barbara und Ralf, einem schweizer Pärchen liegen, die wir in Benoire getroffen haben. Barbara schwimmt genauso gerne wie ich und wir sind dort schon jeden Tag eine Stunde unterwegs gewesen. Auch hier gehen wir, bewappnet mit einer Schwimmboje, die sie hinterherzieht, um nicht von einem Dinghi oder Schiff überfahren zu werden, jeden Tag eine Stunde schwimmen. Ich kann ihr einige Tipps bezüglich der Kraul-Technik geben, und so klappt es ganz gut. Sie mit Flossen und schnell, ich ohne Flossen und langsam. Ralf revanchiert sich mit einem Kurz-Surf-Kurs mit seinem Fortgeschrittenen-Surf-Board bei mir und wir verbringen schöne Abende auf ihrem fast nagelneuen Katamaran. Wieder einmal realisieren wir, dass, egal wie alt und wie teuer ein Schiff ist, wirklich jeder mit einer ellenlangen to-do-Liste unterwegs ist, die irgendwie nie weniger wird.

Ach ja, der fatale Fehler. Er bestand darin, dass wir eigentlich vorhatten, nach unserem „Aton am Haken“ – Abenteuer, das komplette Rigg, also den Mast mit all seinen Aufbauten, Stagen und Wanten, einmal kontrollieren zu lassen. Wir nahmen in der Willi-Bay Kontakt mit einer Rigg-Firma in Le Marin auf und beschlossen, dies anzugreifen, wenn wir in Le Marin sind. Aber irgendwie haben wir das dann ganz aus den Augen verloren und vergessen. Damit hätten wir uns viel Ärger und eine sehr gefährliche Situation erspart, die wir schon bald darauf erlebt haben.


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