Aton bewährt sich, Teil 1

Aton bewährt sich, Teil 1

Michi
Nachdem wir den Corona-Test erfolgreich, also negativ, bestanden haben, lichteten wir am 11.06. morgens um 6.00 Uhr den Anker. Sao ist extra früh aufgestanden, um uns nachzuwinken.

Unser Konvoi bestand aus dem Mutterschiff, einem 38 Fuß-Katamaran, einem weiteren Katamaran und vier Mono-Hulls, also Einrümpfer wie wir. Davon war eine Bavaria mit 34 Fuß die kleinste, die anderen beiden, eine Amel und eine Ketch (also ein Zweimaster) so lang, beziehungsweise etwas länger als wir. Geplant war ein erster Treffpunkt im Süden von St. Lucia, wo auf den langsamsten gewartet werden sollte. Danach ein weiterer Treffpunkt im Süden von St. Vincent. Bei beiden Treffpunkten war es aber streng verboten, den Anker zu setzen, da wir ja die Inseln nicht offiziell besuchen durften. Also solange driften, bis alle da sind. Schon bei der Ausfahrt aus Martinique und den ersten Meilen Richtung St. Lucia stellte sich heraus, dass Dominique mit seiner Bavaria sehr schnell dem Rest des Konvois nicht folgen konnte. Wir hatten einen schönen halben Segel-Wind und refften teilweise die Genua, um beim Konvoi zu bleiben. Gegen Mittag waren wir in St. Lucia, wo wir auf Dominique warteten, der jedoch weit und breit nicht zu sehen war. Sehr weit und sehr breit. Mat, der Chef des Konvois und Skipper des Mutterschiffs, beschloss nach knapp einer Stunde, dass wir drei Mono-Hulls voraus fahren sollten nach St. Vincent. Sein und der zweite Katamaran wollten auf Dominique warten und dann nachkommen, da ein Katamaran von Haus aus schneller ist, als ein Mono Hull. Hier seht ihr uns drei vor den berühmten beiden Pitons in St. Lucia.

Kaum waren wir im Kanal zwischen St. Lucia und St. Vincent gab natürlich jeder der drei Skipper alles, um zu zeigen, was sein Schiff kann. „It`s not a race!“ bläute uns zwar Mat vorher ein, aber das interessierte jetzt keinen mehr. Und ratet mal, wer die anderen sowas von abgehängt hat? ATON segelte auf und davon und die anderen beiden rätselten später, warum. Sie dachten, wie viele vorher auch schon, unser Schiff sei relativ neu, weil es so gut aussieht. Das geht mir jedes Mal runter wie Butter, es zeigt mir, dass sich doch die Plackerei für das Refit in Trinidad wirklich gelohnt hat.

Mit geblähten Segeln rauschte Aton mit 7-9 Knoten Fahrt Richtung Süden, unserem Ziel entgegen. Da alle Mono Hulls AIS (Automatisches Identifikationssystem – dient der Kollisionsverhütung) an Bord hatten, konnten wir unsere Position stets auf dem Plotter verfolgen. In den Tagen zuvor herrschte wenig Wind, weshalb wir auch kaum Welle, also perfekte Segelbedingungen. Von Minute zu Minute vergrößerte sich unser Abstand zum restlichen Konvoi, was wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht quittierten. Bei beginnender Dunkelheit zeigten sich plötzlich dunkle Regenwolken über St. Vincent. „Geh mal runter und hol unsere Regenjacken, dann reffen wir vorsichtshalber.“, schickte mich Franz nach unten. Ich ging auch noch schnell auf die Toilette, da ich dies bei schwerem Wetter, bzw. Seegang und mit Regensachen vermeiden wollte. Währenddessen verkleinerte Franz die Segelfläche der Genua ins erste Reff. Die dann folgenden Ereignisse schildert am besten Franz, der in diesem Moment Rudergänger war.

Franz
In tropischen Gewässern ändern sich Wetterbedingungen unglaublich schnell. Die gerade noch weit weg erscheinenden Regenwolken formierten sich immens schnell zu bedrohlichen Wolkentürmen. Der zuvor gleichmäßige Passat änderte sich binnen weniger Minuten in starke und unregelmäßige Windböen. „Michi, schnell, komm rauf. Wir müssen reffen. JETZT.“, rief ich nach unten. „Gleich, ich bin grad auf der Toilette.“, kam es zurück. Als sie nach einer endlos erscheinenden Zeit nach oben kam, hatte uns die Okklusionsfront bereits erreicht. „Geh Du ans Ruder, ich reffe das Großsegel.“. Ich bewaffnete mich mit der Winschkurbel und dem Reffband, pickte mich in die Sicherheitsleine ein und ging zum Mast. Dort angekommen, startete Michi den Motor und stellte das Schiff in den Wind, damit der Winddruck aus dem Großsegel genommen wird. Gerade in dem Moment, als ich das Großfall lösen wollte, um die Segelfläche zu verkleinern, schlugen vehement die Genuaschoten (also die seitlichen Führungsleinen des Vorsegels) nach mir. „Das kannst Du vergessen. Wir müssen erst die Genua bergen.“, rief ich Michi durch das Heulen des Windes entgegen und kletterte wieder ins Cockpit. Was ich dort sah, ließ mir das Blut in den Adern stocken. Hinter Michi baumelten beide Achterstagen haltlos hin und her. Mit einem Ruck drehte ich mich um und blickte nach vorn. Dort sah ich die obere Halterung unseres Vorsegels wild umherbaumeln. Außerdem sah ich unseren Mast gefährlich vor und zurück schwenken. „Um Gottes Willen. Unser Vorstag ist gebrochen!!!“

Fortsetzung folgt


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