Baie du Tresor – im Nationalpark

Baie du Tresor – im Nationalpark

Michi

Nach einigen Tagen müssen wir mit unserer Entsalzungsanlage Wasser machen. Wegen der Schwebstoffe in den Buchten, die sehr schnell die teuren Filter verschließen, machen wir das nur auf offener See. Wir segeln also zwei Stunden auf dem Atlantik und kommen dann wieder zurück. In der Nacht höre ich, dass die Wasserpumpe durchgehend läuft, und wir schalten sie ab. Tags darauf gehen wir der Ursache auf den Grund und sehen beim Öffnen der Bodenbretter, dass die ganze Bilge (der tiefste Bereich des Schiffs) unter Wasser steht. Es ist Süßwasser, und Franz sucht eine ganze Zeit lang nach der Ursache. Endlich findet er sie: eine Schlauchschelle hat sich gelöst, und das ganze Wasser, das wir tags vorher gemacht hatten, ist in unsere Bilge gelaufen. Jetzt heißt es erst einmal, das Wasser auszupumpen, wobei wir merken, dass die (von den Amerikanern) eingebaute Bilgepumpe, die nicht selbstansaugend ist (was von Haus aus schon ziemlich doof ist), so gut wie gar nicht funktioniert. Gottseidank haben wir von Deutschland eine große Schmutzwasserpumpe mitgebracht, die jetzt erstmals zum Einsatz kommt. Mit einem Schlauch von ca. 5 cm Durchmesser pumpt diese die ungefähr 150 Liter in nullkommanix nach außen. Gut zu wissen, dass das im Notfall funktioniert.

Da wir jetzt wieder raus müssen zum Wassermachen, beschließen wir dieses Mal, danach in der weiter südlich gelegenen Bucht du Tresor zu ankern. Sie liegt in einem Nationalpark, und ist ausschließlich von einsamer Natur umgeben. Es ankern zwar in einer Ecke bereits sieben Schiffe hier, aber wir suchen uns eine andere Ecke aus, wo wir ganz alleine sind. Es ist einfach herrlich hier. Die Ankerplätze sind durch ein vorgelagertes Riff von den Atlantikwellen geschützt, und doch weht noch genügend Wind in die Bucht, um unsere Windgeneratoren am Laufen zu halten, und die gleißende Sonne gut auszuhalten. Gegenüber unseres Ankerplatzes befindet sich ein kleiner Steg, wo wir an Land gehen können. Ein Wanderweg führt durch einen schattigen Wald zur Ruine des Chateau du Dubuc, einem ehemaligen Herrschaftshaus eines Kaffee- und Kakao-Anbauers.

Normalerweise ein Touristenmagnet, hat es aber natürlich momentan geschlossen. Das ist uns sehr recht, denn so trifft man so gut wie niemand auf den wunderschönen und sehr gepflegten Wanderwegen, die uns um die ganze Halbinsel führen. Es geht erst durch einen Mangrovenwald, der uns wohltuenden Schatten spendet, und dann durch einen abwechslungsreichen Laubwald. Auch zum weithin sichtbaren Leuchtturm, der auf dem Berg thront, führt uns der Weg. Dort haben wir eine herrliche Aussicht. Nicht nur Aton, die winzigklein inmitten der Bucht liegt, sondern auch weite Teile der Ost- und Westseite Martiniques kann man sehen.

Wir verbringen einige Tage hier, schnorcheln, wandern, schwimmen, und reparieren und pflegen unsere ATON. Einmal bringt mich Franz an Land, wo ich zu Fuß zu einem kleinen Strand wandere. Er kommt, wie verabredet, mit dem Dinghi an diesen Strand und empfängt mich schon mit den Worten: „Jetzt hast Du gerade was verpasst. Die Polizei war mit einem Boot bei allen Schiffen. Ein sehr netter Beamter, der auch etwas Englisch sprach, und seine Kollegin, haben mich informiert, dass wir uns nicht mehr mit dem Schiff bewegen dürfen. Wenn wir zum Einkaufen in eine andere Bucht fahren, müssen wir umgehend wieder hierher zurückkommen. Sie haben unsere ATON registriert, und auch gefragt, wo Du bist. Ich sagte, Du bist an Land, und sie wollten nur wissen, ob Du Deinen Passierschein dabei hast“. Das ist ein Formular, das man immer dabeihaben muss, wenn man zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeit, oder zum Spazieren gehen geht (1 Stunde in 1 km Entfernung zur Wohnung) , dabeihaben muss. Auch kam immer mal wieder ein Hubschrauber über die Bucht geflogen und hat die hier ankernden Yachten registriert. Trotz allem hatten wir nie das Gefühl, dass wir hier wirklich streng eingeschränkt sind. Auf all unseren Wanderungen sind wir kaum jemals Anderen begegnet, und hatten auch keinen Kontakt zu anderen Booten. Aber wir konnten uns zumindest an Land und im Wasser vom Schiff wegbewegen, ohne gleich von der Polizei gemaßregelt zu werden. Wieder einmal waren wir froh, nicht in den überlaufenen Buchten auf der Westseite zu liegen, wo jegliche Bewegung streng überwacht wird.


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