05. bis 07.06.2019 Auf dem Vulkan Soufriere

05. bis 07.06.2019 Auf dem Vulkan Soufriere

Michi

Wir segeln direkt nach dem Tanken weiter, lassen Martinique und St. Lucia an Backbord liegen, und erreichen unser nächstes Ziel, Chateaubelair auf St. Vincent. Kaum sind wir in der Bucht, kommt auch schon ein sogenannter Boatboy auf seinem Surfboard angerudert. Er stellt sich als Fitzmore vor, und wir haben somit einen Betreuer für die nächsten Tage. Zuerst zeigt er uns den Ankerplatz vor dem Custom-Büro, wo wir einklarieren können. Das dazugehörige Dock wurde vom Hurrikan vernichtet und ist gerade wieder im Neuaufbau. Nie im Leben hätten wir dieses unscheinbare Haus selbst gefunden, da es kein Schild oder sonsteinen Hinweis gibt, dass hier der Zoll ist. Als wir mit dem Papierkram fertig sind, zeigt uns Fitzmore erst einmal den Ort. Es ist ein größeres Dorf mit Grundschule, Kirche, zwei Supermärkten und unzähligen, meist winzigen und einfachen Bars. Wie immer alles in knalligen Farben gestrichen, und überall tönt ohrenbetäubende Musik aus den Lautsprechern. Arbeit scheint es nicht sehr viel zu geben, denn sehr viele Einheimische Junge und Alte sitzen gemütlich irgendwo im Schatten und ziehen sich eine Tüte (Marihuana) rein. Man ist alleine vom Durchlaufen schon high. Fitzmore ist mit der Hälfte der Bevölkerung irgendwie verwandt, und stellt uns unzählige Cousins und Cousinen, sowie zwei Tanten vor. Manche haben ein Lagerfeuer angemacht, in dem sie Brotfrüchte rösten, andere schneiden sich gegenseitig auf der Terrasse die Haare, und überall wird geschwatzt und gelacht. Das Leben spielt sich hauptsächlich draußen ab, und die Menschen machen einen fröhlichen und zufriedenen Eindruck. Außer uns gibt es noch einen Katamaran in der Bucht, und Touristen sind hier eher die Ausnahme.

Nach unserem Erkundungsgang ankern wir das Schiff in der Ostseite der Bucht, wo es schön ruhig liegt, zumindest was die Wellen anbelangt. Die Ohren werden den ganzen Tag und die dreiviertelte Nacht mit Reggae-Musik in einer wirklich anständigen Lautstärke beschallt. Abends gehen wir im Bay View Restaurant (das natürlich einer Cousine Fitzmores gehört) essen. Es ist günstig, typisch creolisch und sehr lecker. Als Beilage zu Fisch und Fleisch gibt es Süßkartoffeln und Kochbananen.

Am nächsten Tag treffen wir uns schon um 06.oo Uhr mit Fitzmore, der uns auf den Vulkan Soufriere begleitet. So hoffen wir, der Hitze des Tages einige Stunden zu entkommen. Der Vulkan ist ca. 1000 Meter hoch, und der Krater knappe 15 Kilometer weit entfernt, do dass es ein ganz anständiger Marsch wird. Zuerst geht es durch ein dank der Lava fruchtbares Tal, das von Dänen kultiviert wird. Sie bauen dort verschiedene Früchte und Gemüse an, und beschäftigen einige Leute aus dem Dorf. Dann geht es ein Stück den Strand entlang, der hier aufgrund der Vulkanasche dunkelgrau ist. Eine Gruppe von Einheimischen verdient hier ihr Geld damit, Steine in allen Größen am Strand zu sammeln und zu sortieren. Diese werden dann als Baumaterial verkauft. In der sengenden Sonne ein richtiger Knochenjob. Durch einen trockenen Flusslauf, dessen Boden mit feinem, weichen Lavasand bedeckt ist, und an dessen steilen Wänden sich seit der letzten Regenzeit bereits viele Farne und andere Pflanzen breit gemacht haben, gelangen wir zum eigentlichen Beginn des Vulkan-Hikes.

Nun geht es mehrere Stunden durch einen Regenwald stetig bergauf. Wir passieren mehrere Täler, und Fitzmore macht immer wieder Halt, um uns von einheimischen Früchten naschen zu lassen. So probieren wir z. B. wilde Pflaumen und Äpfel, etwas ähnliches wie Passionsfrucht, und andere, uns unbekannte Früchte. Er zeigt uns auch Heilkräuter, und erzählt vom Vulkan. Dieser bricht immer wieder aus. So z. B. in den Jahren 1718, 1812, 1902,1971 und 1979. Beim Ausbruch am 6. Mai 1902 (nur Stunden vor dem Ausbruch des Mount Pelee in Martinique) starben 1.680 Menschen. Der Großteil der Ureinwohner, die Callinago heißen. Mittlerweile gibt es gibt ein seismographisches Frühwarnsystem, um die Bevölkerung der umliegenden Dörfer in die Hauptstadt Kingstown, im Süden der Insel, zu evakuieren. Die Regierung hilft dann den betroffenen Familien finanziell, wieder eine Existenz aufzubauen. Wenn der nächste Ausbruch kommt, geht alles wieder von vorne los. Wie gut haben wir es, von Hurrikanen und Vulkan-Ausbrüchen verschont zu sein.

Weiter oben bauen (ähnlich der Bergbauern in Südtirol) einige Bauern im steilen Gelände Süßkartoffeln an. Ein Esel, der mitten auf unserem Pfad angebunden ist, trägt beizeiten die Ernte ins Tal. Am gegenüber liegenden Hang hat man den wunderschönen Regenwald abgeholzt, um Canabis anzubauen. Dies wird zwar ansatzweise von der Polizei geahndet, aber nur mit mäßigem Erfolg. Leider wird so die Erde, die durch die Wurzeln des Waldes festgehalten wird, immer weiter ausgewaschen und abgetragen. Wir kommen an mehrere Meter dicken Stämme von Urwaldriesen vorbei; überall hängen Lianen von den Bäumen herab, und haben es sich Orchideen und andere Pflanzen in den Ästen bequem gemacht. Sehr beeindruckend sind auch die riesigen Brotfruchtbäume mit ihren dicken, grünen Früchten, und die großen, schönen Mangobäume. Überall auf dem Weg liegen die heruntergefallenen Mangos und andere Früchte.

Als die Bäume spärlicher werden, schlängelt sich unser Pfad durch hüfthohe Farne und Gräser. Der Bewuchs ist so dicht, dass man teilweise seine eigenen Füße nicht mehr sieht. Es geht weiterhin steil bergauf, und wir sind sehr froh, dass wir unsere Wanderstecken dabei haben. Von hier aus hat man einen sensationellen Blick hinunter aufs Meer und zurück zum Dorf, das nur noch ganz klein zu sehen ist. In den Gipfeln der Nachbarberge hängen dicke Regenwolken und wabern zu uns herüber. Zwischendrin fängt es zu regnen an, aber nicht lange. Hier oben weht ein frischer Wind, was nach der dampfigen Schwüle im Wald sehr angenehm ist. Als wir endlich am Kraterrand angekommen sind, sehen wir ein großes, rundes Tal mit einem kleinen Hügel in der Mitte, dem Vulkanpfropfen. Dort raucht es seitlich heraus. Man kann auch in den Krater absteigen, aber das ist sehr steil und gefährlich. Kaum haben wir einen Blick in den Krater geworfen, und ein Gipfelbild gemacht, fängt es wie aus Kübeln an, zu regnen. Schnell packen wir unsere Regenjacken aus, und verlassen fluchtartig diesen besonderen Ort.

Beim Abstieg werden wir trotz der Regenjacken tropfnass, das Wasser fließt nun in einem kleinen Sturzbach direkt auf unserem Pfad nach unten. Da die Füße sowieso schon nass sind, steigen wir hemmungslos mitten durch die sich ansammelnden Pfützen. Sobald wir den Wald wieder erreicht haben, wird der kalte Wind vom warmfeuchten Dampf abgelöst, und wir fangen wieder an, zu schwitzen. Als wir schon ein gutes Stück abgestiegen sind, und es gerade wieder so richtig zu schütten anfängt, führt uns Fitzmore zu einer kleinen, primitiven Hütte am Wegrand. Hier wohnt einer der Rastafaries, die das Canabis anbauen. Er ist wohl auf dem Feld, aber die Hütte hat keine Tür, und so setzen wir uns auf die überdachte „Terrasse“, ein wackeliges Bambusgestell. Hier sind wir relativ regengeschützt, und lassen uns die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Viel verdient ist wohl mit dem Canabis nicht, denn die Behausung ist sehr einfach, ärmlich und dreckig. Es gibt einen Raum mit einem Stuhl und einem Tisch, und einen zweiten mit einem Bett. Draußen ist ein Gestell, mit dem wohl Feuer gemacht, und gekocht wird. Als Brennmittel dienen Kokosschalen. Was muss das für ein Leben sein, ohne Wasser und Strom, inmitten von steilem, unwegigem Gelände. Aber der Ausblick war super.

Als wir nach ca. 7 Stunden wieder im Flussbett angekommen sind, merken wir, wie kaputt wir sind. Schließlich beschränkt sich unser Workout auf ATON auf das Raufwinschen des Großsegels, meinen morgendlichen Übungen, und seltenen längeren Landausflügen, oder gar Jogging-Runden. So sind wir dankbar, dass uns ein Pickup die letzten 5 Kilometer bis zum Dorf mitnimmt. Trotz der Anstrengung war es aber ein wunderschöner, sehr interessanter Ausflug.

Abends schlendern wir noch einmal mit Fitzmore durch den Ort, in dem sich wieder die Leute auf der Straße treffen. Einige Jugendliche üben schon mal mit bunter Körperbemalung und lauter Musik für den Karneval, der hier Anfang Juli stattfindet. Viele Menschen sitzen zusammen, rauchen, trinken, singen und tanzen auf der Straße.


3 Replies to “05. bis 07.06.2019 Auf dem Vulkan Soufriere”

  1. Hallo Ihr beiden habe heute von Ludwig Magg von Euren Abenteuer erfahren bin sofort auf Eure Seite und bin platt vor soviel Mut!!!!!!!! Ich wünsche Euch viel Freude und Erfolg ich werde alles weiter verfolgen!!!! Viele Grüße aus Ottmaring Gaby und sepp Franz Du warst als Schauspieler bei der TGO scho immer ein Hund!!!!

    1. Hallo Ihr beiden, vielen Dank für die Blumen. Es freut uns immer wieder, wenn wir Kommentare auf unseren Blog erhalten. Ganz besonders freuen wir uns natürlich auf solch positive Anmerkungen wie Deine. Dies bestätigt uns und bestärkt uns darin, die doch ziemlich arbeitsintensive Schreiberei weiter zu führen.
      Sag bitte allen, die uns kennen, einen schönen Gruß von uns. Wir sind demnächst wieder in der Heimat auf Besuch. Es wäre schön, wenn wir uns träfen.
      Heiße und regnerische Grüße aus Trinidad von
      Franz und Michi sowie Aton

  2. Hallo ihr zwei! Hört sich ja wirklich so an, als wärt ihr im Paradies angekommen… ? wünschen euch noch viele schöne Tage bis zum Wiedersehn in Bayern! LG Patricia

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