11.-14.05.2019 Puerto Real

11.-14.05.2019 Puerto Real

Michi

Da unsere Aton dringend Diesel-Nachschub braucht, und es in Mayagüez keine Schiffs-Tankstelle gibt, beschlossen wir, in die weiter südlich gelegene Bahia de Boqueron weiterzusegeln. Diese Bucht wird von einem langen, schönen, palmengesäumten Sandstrand dominiert, an dessen Ende sich ein sehr touristischer Ort befindet. Wir machten uns auf einem Erkundungsgang schlau, dass es auch hier weder SIM-Karten, noch eine Tankstelle für ATON gibt. In einer Hotel-Lobby durften wir zwar das Wifi nutzen, aber es war so schwach, dass es uns nicht viel brachte. Lediglich einige WhatsApps gingen an unsere Lieben zuhause raus, die ja seit unserer Abfahrt vor fast einer Woche nichts mehr von uns gehört hatten. Am nächsten Morgen verließ uns Marco für einige Tage, in der er auf eigene Faust die Insel erkunden wollte. Wir vereinbarten, dass wir ihn dann auf der Ostseite wieder abholen. Wir machten einen schönen Spaziergang am Strand und beobachteten die Familien, die in großen Gruppen mit Sack und Pack picknickten und mit einem Drink im Wasser standen. Schwimmen wird hier offenbar überbewertet, das tut keiner. Das Wasser selbst ist nach den Bahamas eine herbe Enttäuschung. Es ist grün und trüb und bacherlwarm.

Anschließend holten wir den Anker auf, und segelten eine Bucht zurück, nach Puerto Real. Hier gibt es eine Marina mit Tankstelle, und einen authentischen, kleinen Fischerort ohne Touristen. Bei einem Spaziergang liefen wir erst die Hauptstraße entlang, in der viele Menschen unterwegs waren. Es gibt hier einige Bars, mehrere Fisch-Geschäfte (da werden wir morgen mal einen kaufen), und ein oder zwei Schiffszubehör-Läden.

Die Leute sitzen auf der Straße, treffen sich, ratschen, oder essen an einem der Stände. Weiter den Hügel rauf gingen wir durch ein Wohnviertel, wo einfache Häuser mit hübschen Gärten standen. Immer wieder bewunderten wir die riesigen Mangobäume mit ihren fruchtüberladenen Ästen. Die Mangos fallen runter und liegen auf der Straße, wie bei uns die Äpfel, wenn sie reif sind.

Ein jüngerer Mann sprach uns an, ob er uns helfen kann (wahrscheinlich haben wir irgendwie hilflos ausgesehen). Wir kamen ins Gespräch, und er erklärte uns, dass wir beim örtlichen Bäcker (auch so einen haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr getroffen) keinen Kuchen kaufen sollen, weil der nicht schmeckt, dass wir unbedingt den hiesigen Fisch probieren sollen, wo der Supermarkt ist, usw. Am Schluss bot er uns sogar an, dass seine Frau uns zum Supermarkt fährt. Wir mussten ihn direkt bremsen. Manchmal ist die Hilfsbereitschaft direkt beschämend; bei uns würde das niemand einfallen, einfach mal einen Fremden irgendwohin zu fahren, oder? Wir fanden sogar noch eine Bar mit gutem Wifi, und sahen uns dort auf der Terrasse den Sonnenuntergang an.


Am nächsten Tag beschlossen wir, uns ein Auto zu mieten, um uns das bergige Inland Puerto Ricos anzusehen. Zuerst ging es auf Landstraßen und einem Highway zwischen grünen Wiesen, kleineren Orten und viel tropischem Wald Richtung Osten. Dann bogen wir ab in das Landesinnere. Die Straße schlängelte sich in hunderten von Serpentinen immer weiter in die atemberaubend schöne Bergwelt hinauf. Die Hügel und Berge sind steil und allesamt mit dichtem, tiefgrünem Wald bewachsen. Neben uns unbekannten Bäumen sahen wir immer wieder riesige Mangobäume, Palmen aller Arten und Größen, Bananenstauden, haushohe Bambusstangen, Gummibäume, und sogar die uns aus Neuseeland bekannten Farnbäume. Unter den Bäumen blühten bunte Bougainvilleen, Flamingo-blumen und viele andere Blumen und Büsche in allen Formen und Farben. Zwischendrin drängten sich Häuser an die steilen Bergflanken, aber einen richtigen Ort gab es mangels ebener Fläche nur sehr selten. Stundenlang fuhren wir auf einer schmalen Straße in dieser wunderschönen Landschaft ohne einem anderen Auto zu begegnen.

Wir kamen durch ein Kaffee-Anbaugebiet, wo die tiefgrünen Kaffee-Büsche in Reih und Glied am Berghang klebten. Wieviel mühevolle Handarbeit steckt da wohl dahinter, in diesem steilen Gelände und dieser Hitze Kaffee anzubauen. Als wir eine Kaffee-Hazienda besuchen wollten, war diese leider geschlossen. Schade, wir hätten uns gerne über den Anbau informiert und eine Tasse probiert.

Als wir genug von der Kurverei hatten, fuhren wir wieder zurück und besuchten die Küstenstadt Ponce, nach der Hauptstadt San Juan die zweitgrößte Stadt Puerto Ricos. Wir erstanden endlich eine SIM-Karte, und schlenderten dann durch die Altstadt. Es gab neben schönen, typisch spanisch anmutenden Häusern auch viktorianische und klassizistische Architektur zu bestaunen.

Wir schlenderten durch die schattigen, engen Altstadtgassen und fanden in einem Hinterhof sogar eine Heladeria, wo Speiseeis selbst hergestellt wird. Das erste Eis seit gefühltem 10 Monaten hat soooo lecker geschmeckt (Passionsfrucht und Traube). Auf dem Heimweg hielten wir an einer Panaderia, und verputzten, da wir den ganzen Tag in den Bergen nirgendwo eine Essgelegenheit gefunden haben, innerhalb von Minuten einen halben Laib Brot. Dieser schmeckte, entgegen unserer Erfahrung aus USA und den Bahamas, gar nicht mal so schlecht. Am Schiff angekommen, gab es einen Yellow-Snapper (den wir in einem hiesigen Fischgeschäft gekauft hatten) mit Tomatenreis und einer sehr leckeren Kokos/Curry/Soße.


2 Replies to “11.-14.05.2019 Puerto Real”

  1. Hallo ihr Welteroberer… ? wenn ich eure tollen und schönen Geschichten lese kommt ihr mir manchmal vor wie Christopher Columbus, oder war es doch jemand anderes???? in Geschichte bin ich nicht so wissensfest…verzeiht mir, aber auf alle Fälle ist euer Wetter beständiger, sonniger und wärmer als hier in Bayern! Also sputet euch, kommt bald wieder zurück und bringt gaaaanz viel Sonne im Gepäck mit! LG Patricia

    1. Hallo Trixi, Columbus hatte in Grand Turks seinen Landfall, aber das ist ja um die Ecke. Tatsächlich scheint hier seit Monaten jeden Tag die Sonne, Regen gibt es nur wenig. Aber das ist für die Einwohner nicht so lustig, weil sie ja dann auch kein Wasser haben. Also, wenn es mal wieder grau und regnerisch bei Euch ist, sei dankbar und denke an die Länder, die das Wasser dringendst nötig hätten. Liebe Grüße Michi

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