28.04.2019 Das nächste Dinghi-Abenteuer

28.04.2019 Das nächste Dinghi-Abenteuer

Michi

Marco und ich schnorcheln zur Kohort rüber, um mal Hallo zu sagen. Hier ist nicht nur der Ort viel schöner, als in Providenciales, sondern auch das Wasser schön klar (aber kein Vergleich zu den Exumas). Wir sehen einen großen Rochen im Sand liegen, und einige Fische. Catherine und Stephan schauen auf dem Heimweg vom Supermarkt bei uns vorbei, und bringen uns eine Honigmelone mit.

Sie geben uns Tipps, wo wir einkaufen können, und schwärmen uns von ihren Tauchgängen vor. Hier gibt es einen sehr tiefen, ca. 8.ooo Meter tiefen, Graben, der gleich nach dem Riffgürtel beginnt. Da alles ein Nationalpark ist, sind die Fische und Schildkröten sehr zutraulich.

Kaum sind die beiden wieder weg, kommt das Dinghi unseres anderen Nachbarn vorbei. Es ist Stephen, ein britischer Einhandsegler, und noch einmal ein Stephen, ein älterer Pilot, der mit seinem Flugzeug und Freunden eine kleine Rundreise macht. Die beiden haben sich wohl gerade erst kennengelernt. Sie fragen, ob wir Lust haben, mit ihnen auf ein Bier in eine Bar zu kommen. Wir sind dabei, packen schnell ein paar Sachen zusammen, und hüpfen in ihr Dinghi. Es geht Richtung Norden, wo eines der letzten Häuser ein nettes Lokal mit einer Strandbar ist. Es gibt Life-Musik, und bald schon stößt Nancy zu uns, die wir bereits am Vortag in Erika`s Hotel an der Bar sitzen sahen. Nancy (die wir nur „Schnapsdrossel“ nennen) und Stephen (der Dinghi-Besitzer) sind dem Alkohol nicht abgeneigt, und entsprechend lustig sind die Gespräche. Stephen, der Pilot, findet es toll, wie Menschen aus verschiedensten Ländern, die sich vor einer Stunde noch nicht gekannt haben, sich so gut verstehen und total spontan zusammenkommen. Er sagt: „I have to tell that my family, they won`t believe that.” (Das muss ich meiner Familie erzählen, die werden mir das nicht glauben.). Wenn der wüsste, was der Abend noch bringt, und was er dann erst zu erzählen hat.

Irgendwann beschließen wir, heimzufahren, und auch Nancy mitzunehmen. Wir gehen die paar Schritte zum Strand, steigen alle ins Dinghi ein (das gerade groß genug für uns sieben ist), und los geht`s. Nach ein paar Metern sind wir schon alle nass, weil Wellen über den Rand kommen, aber macht nix: der Wind und das Wasser sind ja warm. Stephen steuert das Dinghi, und wir fahren so ca. 200 Meter vom Land entfernt parallel zum Strand entlang, als plötzlich ein Ruck durchs Dinghi geht. Kurz darauf stehen wir still, obwohl der Motor noch läuft. Wir haben wohl das Riff gestreift, und der Schacht hatte Grundberührung, was wiederum den Sicherungsstift der Schraube abbrechen ließ. Ja und ratet mal: Stephen hat KEINE Paddel dabei (so wie wir das mittlerweile immer tun). Stockfinstere Nacht, ein Dinghi voll mit sieben Leuten, davon zwei betrunken, keinerlei Handy-Empfang, und der offene Atlantik in unserem Rücken. Ich hab zuerst geglaubt, das gibt`s jetzt nicht, aber leider war das die bittere Wahrheit. Also, was tun? Marco hat die Situation als erster überrissen: „Unsere einzige Chance ist, das Dinghi schwimmend an Land zu ziehen. Das machen meine Mama und ich, die ist eine super Schwimmerin.“.

Also hab ich schnell meine Hose und Jacke ausgezogen, und bin mit Marco ins Wasser. Zu unserem großen Glück hatte es weder starken Wind, noch Strömung (wenn uns das in den Exumas passiert wäre, hätten wir keine Chance gehabt, da gab es immer Strömungen). Wir schwammen also links und rechts vom Dinghi, und zogen die ganze Bagage mit uns mit. Es ging zwar sehr langsam, aber wir kamen dem Land immer näher. Plötzlich spürten wir sogar Boden unter den Füßen. Eine Untiefe. Wir konnten einige Meter laufen, aber dann hieß es wieder einarmiges Schwimmen. Nach ca. 20 Minuten spülten uns die Wellen wie Schiffbrüchige an den Strand, und wir waren alle zusammen glücklich, wieder an Land zu sein. Aber wie kommen wir jetzt wieder auf unsere Schiffe? Wir beschlossen, beim nächsten Haus zu klopfen, und um Hilfe zu bitten. Es war ca. 22.oo Uhr, aber wir hatten Glück und es wurde geöffnet. Wir schilderten unsere Lage, und fragten, ob vielleicht irgendjemand ein Boot hat, um uns zu unseren Schiffen zu bringen. Der gute Mann wusste keinen Rat, und schickte uns zum Nachbarn, und so klapperten wir einige Häuser ab. Ich und Marco tropfnass, in Unterhosen, alle zusammen voller Sand, und unsere Schnapsdrossel musste vom Pilot geführt werden. Eine ziemlich seltsame Truppe. Endlich kamen wir an einen Tauchlehrer, der wohl schon geschlafen hatte. Er war nicht sehr begeistert, und bedeutete Stephen, Marco, Franz und mich, auf die Ladefläche seines Pickups zu steigen. Wir fuhren durch den ganzen Ort bis zur Tauchschule, dessen Eigentümer unser Retter war. Von dort musste der arme Kerl erstmal zu seinem Boot rausschwimmen, das in der Bucht an einer Boje lag. Er holte also das Boot, ließ uns einsteigen und brachte uns zu unserem Boot. Der betrunkene Stephen fuhr wieder zum liegengebliebenen Dinghi zurück und schleppten dieses wohl bis zu seinem Boot ab. Am nächsten Morgen war Stephen bereits ausgelaufen in Richtung Luperon auf der Dom. Rep. Da es in den Folgetagen ziemlich viel Wind und Welle hatte, hoffen wir, dass er, der alleine und als absoluter Anfänger auf dem Weg ist, die Strecke unbeschadet geschafft hat. Wir für uns haben aus diesem Vorfall gelernt, uns zukünftig die Leute und die Dinghis, in die wir einsteigen, genauer anzuschauen (z. B. ob Paddel drin sind), und im zweifelsfall mit dem eigenen Dinghi zu fahren. Gottseidank ist ja alles noch einmal gut gegangen, aber wenn wir ablandigen Wind, oder Strom gehabt hätten, würden wir jetzt wahrscheinlich zu sechst mit einem Dinghi im Atlantik treiben.


7 Replies to “28.04.2019 Das nächste Dinghi-Abenteuer”

  1. Guten Abend Michaela,
    die „Hei….männer“ können sich glücklich schätzen und stolz auf ihre Mutti sein. Was ist das die nicht für eine taffe Frau. Springt mutig ins Wasser und schleppt schwimmend ein hilflos im Meer treibendes Boot samt Besatzung ans rettende Ufer. Und das in dunkler Nacht! Starke Frau!
    Hatte jene starke Frau nicht gestern am 07.05. Geburtstag? Täusche ich mich? Ich glaube nicht. Herzlichen Glückwunsch, alles Gute zum Geburtstag. Laß Dich nicht unterkriegen. Die Truppe braucht Dich noch…….wer weiß was in den kommenden Wochen noch alles auf Dich zukommt.:)
    Liebe Grüße aus Wulfertshausen, Alois.

    1. Lieber Alois, vielen Dank für die Geburtstagswünsche. Es war zwar der 06., aber meine Männer haben auch bei der Zahl auf dem Kuchen geschummelt. Das sehe ich
      nicht so eng. Ja, ein bisschen Mut braucht man schon auf so einem Trip. Ich bin froh, dass ich mit zwei Brüdern aufgewachsen bin, die mich nie geschont haben.
      Wenn mich mein großer Bruder im Schwimmbad ärgern wollte, hat er mich untergetaucht und unter Wasser festgehalten. Was glaubst Du, wie schnell ich das Leistungs-
      Schwimm-Abzeichen hatte. Vielen Dank für Deinen Zuspruch, kann ich gut brauchen. Ich hoffe, Dir und Deinen Lieben geht`s gut. Wäre schön, wenn wir uns mal sehen
      würden, wenn wir im Sommer auf Heimaturlaub gehen. Viele Grüße aus Puerto Rico von Michi

  2. Na das Glück scheint immer auf eurer Seite zu sein! Schön dass es Marco auch gut geht und er euch als zukünftiger Abenteurer unterstützen kann auf eurer Reise. Wir freuen uns schon auf neue Geschichten und auf euren Zwischenstopp in Bayern im Sommer, auch wir haben so manches zu erzählen…? viele liebe Grüße und haltet durch…bis bald! Patricia

  3. Aufregende Dinge, die Ihr erlebt! Solange es einen guten Ausgang findet und man sogar ein wenig schmunzeln muss, immer weiter so.
    Ich wünsch Euch immer genügend Blau unter dem Kiel und ebenso am Himmel!
    Und Dir Michaela übermorgen Alles Gute zum Geburtstag!
    Viele Grüße
    Reini

    1. Hallo Reinhard, vielen Dank für Deine Geburtstagswünsche. Ab und zu ist es uns fast ein bisschen zu viel Aufregung. Aber langweilig wollten wir ja
      auch (nicht) mehr. Also wollmer mal nicht jammern. Außerdem passt da wohl jemand gaaanz feste auf uns auf. Hoffen wir mal, dass das so bleibt. Wir
      denken uns nach jedem überstandenen Abenteuer, wir lernen was draus und machen es das nächste Mal besser.
      Liebe Grüße auch an Moni.
      Michaela

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