Monat: März 2019

Leben an Bord, Teil 2

Leben an Bord, Teil 2

Michi:

Lagerraum: Unter den Betten gibt es relativ große Räume im Unterbau des Schiffes, die wir als Lagerraum nutzen. Dahin kommen wir aber nur, wenn wir die Matratzen wegräumen, und teilweise die Abdeckungen entfernen. In unserem Lagerraum ist das ehemalige Bett von uns mit Boxen bestückt worden. Wenn wir an den Raum darunter wollen, müssen diese alle rausgeräumt werden. Dann weiß man manchmal gar nicht mehr, wo man hintreten soll, weil alles vollsteht. Auch unter den Sitzbänken am Tisch, und in diversen anderen Fächern ist Lagerplatz vorhanden. Aber meistens muss man auch hier erst mal Polster wegräumen. Wir haben einige Male umgeräumt, bis wir ein praktikables System gefunden haben, damit wir nicht gar zu oft räumen müssen. Benötigtes Werkzeug, Ersatzteile, Ausrüstung, Haushaltsdinge und Lebensmittel sind so alle möglichst sicher verstaut. Außerdem geht es hier ohne unseren Computer gar nicht, im welchem wir Listen angelegt haben, wo was und in welcher Menge zu finden ist.

Wasser: Da der vorhandene watermaker viel zu klein dimensioniert ist, haben wir einen neuen bestellt. Diesen werden wir in den Hurrikan-Monaten Juli bis Oktober einbauen. Bis dahin heißt es, Wasser sparen. Ausgiebige Duschen gibt es nicht und das Geschirr wird mit Salzwasser gespült. Das Trinkwasser aus den Tanks filtere ich noch durch einen Brita Wasserfilter.

Spülen: Das Seewasser-Ventil (also der Durchbruch der Abwasserleitung zum Meer) der Küchenspüle ist nicht aktiv (hier hatten wir einen minimalen Wassereinbruch, da der Plastikanschluss des Seeventils zum Abwasserschlauch einen Haarriss aufweist. Deswegen müssen wir in einem kleinen Schäffchen spülen. Aus Wasserspargründen holen wir mit einem Eimer Salzwasser und spülen im Eimer vor. Dann kommt das Geschirr in das Schäffchen, wo wiederum mit Salzwasser und Spülmittel nachgespült wird. Das machen wir meistens oben im Cockpit, was bei größerem Wellengang eine Herausforderung ist. An einem schönen Tag in einer schönen Bucht allerdings, macht das richtig Spaß. Die metallenen Schüsseln allerdings, genauso wie die Gemüsereiben und die Messer setzen vom Salzwasser Rost an. Die Roststellen reibe ich regelmäßig weg, die Messer werden deswegen jetzt nur noch im Süßwasser gespült. Ab und zu schärft Franz sie ausgiebig im Cockpit.

Segeln: Wir haben eine große Genua, die sehr bequem vom Cockpit aus über die elektrischen Winschen zu bedienen ist. Das Hauptsegel allerdings kann momentan nur am Mast hochgezogen, bzw. gerefft und geborgen werden. Sehr hilfreich ist hier das Geländer am Mast, an welchem man sich abstützen kann. Da man für diese Arbeit zwei Hände braucht, ist es unerlässlich, dass man sich mithilfe einer Leine am Schiff sichert. Wir ziehen relativ oft unsere Rettungswesten an, und achten auch sonst sehr auf unsere Sicherheit.

Freizeit: Man glaubt es kaum, aber so wahnsinnig viel Freizeit, wie man denken möchte, haben wir nicht. Wir stehen auf, wenn es hell ist, so um ca. 7.30 Uhr, und frühstücken gemütlich. Es gibt tagsüber eigentlich immer irgendetwas zu reparieren, warten, putzen, spülen, backen, recherchieren, oder organisieren. Gottseidank läuft nichts davon, und wir lassen uns schon manchmal einfach gernhaben. Ich würde furchtbar gerne viel mehr schwimmen, aber meistens gibt es starke Strömungen, mit denen ich in Griechenland schon mal schlechte Erfahrungen gemacht habe (danke nochmal meinen „Rettern“, die mich mit dem Dingi wieder geholt haben). Isabella, mit Dir würde das Schwimmen richtig Spaß machen. Wenn es irgendwie geht, machen wir Land- oder Dingi-Ausflüge, erkunden die Inseln, gehen schnorcheln, lesen viel, oder sitzen einfach da und freuen uns. Man kommt ziemlich schnell mit anderen Jachties ins Gespräch, und wir hatten schon öfters Besuch von Leuten, die einfach mal so vorbeikommen, um das Schiff näher anzusehen. Abends wird es relativ früh, um ca. 18.oo Uhr, dunkel. Einen Fernseher haben wir natürlich nicht, und wir sitzen dann oft im Cockpit, lesen, schreiben den Blog (was übrigens auch echt Spaß macht), ich lerne Spanisch und wir planen den weiteren Reiseverlauf.

Energie: Da die vorhandenen Solarpanels nicht funktionieren, und unser Windgenerator, der sehr effektiv gelaufen ist, mangels einer Überlast-Sicherung im Sturm den Geist aufgegeben hat, ist unsere einzige Energie-Quelle momentan der Motor und unser kleiner Generator (diesen haben wir in Florida bei Aldi gekauft). Um das Energie-Level zu halten, muss mindestens 3-4 Stunden am Tag der Motorlärm ertragen werden. Alle unsere aufladbaren Geräte müssen dann angeschlossen werden. Als Energiespeicher dienen 5 große AGM-Batterien (Gel-Batterien). Die darin gespeicherte Energie reicht bei normalem Stromverbrauch ohne Nachladung für ca. 3 Tage. Danach wird es kritisch. Leider haben unsere Vorgänger die Starterbatterie gegen eine AGM-Batterie ausgetauscht und dem Verbrauchsstromnetz geopfert, was aus unserer (Franz) Sicht äußerst fahrlässig ist. Dies und die Installation von vernünftigen Solarpanelen sowie der Aufrüstung der Windgeneratoren ist ebenfalls auf unserer „To Do Liste“ im Sommer.

Kommunikation: Dies ist auf einem Segelboot immer eine Herausforderung, da in der Regel auf dem Wasser kein Handy- und somit kein Internet-Empfang besteht. Momentan läuft der größte Teil unserer Kommunikation über das Handy von Franz. Hierfür haben wir nach dem Einklarieren (Grenzübertritt) in den Bahamas eine örtliche SIM-Karte erstanden. Damit wird ein Hot-Spot aufgebaut. Alle anderen, internetbasierten Geräte benutzen diesen Hot-Spot, um sich ins Internet einzuwählen. Sind wir aber an Land, nehmen wir unseren Computer und alle Handys mit, und suchen ein Restaurant oder ein Kaffee mit WiFi auf. Dort nutzen wir dieses, um größere Datenmengen wie Bilder und Filme ins Netz hoch zu laden. Außerdem haben wir ein Satellitentelefon. Damit können wir überall telefonieren und mailen, allerdings relativ teuer.